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Der Verfasser will hier eine Auslegung Nietzsches geben, die sich im Gegensatz zu der traditionellen Bewertung an die mittlere Schaffensperiode hält, das heißt an die rund 2400 Aphorismen des „Menschlichen-Allzumenschlichen“, der „Morgenröte“ und der „Fröhlichen Wissenschaft“, und zwar will er „an Stelle des politisch-ideologisch gefürbten, neuromantischen oder pangermanistischen Nietzschebildes der versunkenen Jahre eine andere, philosophisch zulängliche und geschichtlich verantwortbare Nietzsche-Auffassung“ geben. Die sorgfältige und eindrucksvolle Durchführung dieses Planes hebt das Buch in seinem wissenschaftlichen Werte hoch über Elaborate der letzten Jahre, die in oberflächlich-propagandistischer Weise den mißverstandenen Nietzsche als „Schlagwortlieferanten“ des Nationalsozialismus erledigen zu können meinen.
Der Verfasser begründet die Wahl der mittleren Periode für die Betrachtung: sie gibt das ruhigste, mäßigste, zusammenhängendste Bild und steht dem Dogmatismus am fernsten. In den Mittelpunkt stellt er Nietzsches Verhältnis zur Natur und besonders zur Geschichte. „Ein wahres Verhältnis zur Natur, frei vom Ästhetizismus des nervösen Betrachters, gibt es für Nietzsche nicht.“ Die Natur gewinnt ihm nur Bedeutung und ästhetischen Reiz in Analogie mit menschlichen Verhältnissen. Nietzsche sei einer der wenigen modernen Denker, vielleicht der einzige, bei dem der Mensch keine Natur hat, sondern nur Geschichte. Die Ausführungen des Verfassers über Historismus und Geschichtlichkeit bringen Wesentliches über Nietzsches historische Methode in ihren existentiellen Grundlagen, über das Verhältnis von Geistesund politischer Geschichte, können aber natürlich nur gestreift werden. Der Gegensatz zwischen dem persönlich innigen Verhältnis Nietzsches zum Geschichtlichen und der „Verständnislosigkeit für realgeschichtliche Belange“ erklärt der Verfasser aus seiner Distanzlosigkeit („Nietzsche war gegenüber allem psychologisch abstrakt Faßbaren der distanzloseste Mensch der b