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Das Buch bietet mit viel gelehrtem Apparat und kühl distanzierter, manchmal leicht ironischer Haltung gegenüber den lebendigen Tatsachen eine Darlegung des Mysterien- und Orakelwesens der ausgehenden Antike in den ersten christlichen Jahrhunderten: also jener Erscheinungen, die schon Jacob Burckhardt in seinem „Zeitalter Constantins des Großen“ so großartig und lebendig geschildert hat.
Dem Leser, sofern er Psychotherapeut ist, mag sich bei den Schilderungen dieser Epoche der Gedanke aufdrängen, ob nicht eine Parallele bestehe zwischen den geistigen Zuständen einer Völkergemeinschaft, die in einer entscheidenden Wandlung begriffen ist, und ähnlichen, die wir unter gewissen Umständen auch beim Einzelmenschen beobachten. Wir sehen, wie eine Welt, die ihre innere Zentrierung verloren hat, versucht, durch äußere Aneignung von Scheinwerten verschiedenster und in sich nicht einmal verträglicher Art eine neue Sicherheit zu gewinnen, um sich des Gefühls der eigenen Leere und der Bedrohung durch die Kräfte des Unbewußten zu erwehren. Ähnliches und Vergleichbares finden wir bekanntlich bei vielen Entwicklungsneurosen vor dem Einsetzen des eigentlichen Individuationsprozesses, dessen Kern immer ein echtes religiöses Anliegen im weitesten Sinne des Wortes ist.
Es wäre reizvoll, diesem Gedanken nachzugehen, der mit der wichtigen Frage nach den Beziehungen zwischen der Individualpsyche und der eines Kollektivs