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Mit der Diagnose der psychogenen Magersucht wird in der heutigen wissenschaftlichen Situation ein sehr auffälliges und alarmierendes Krankheitsbild bezeichnet. Noch besteht allerdings keine Einigung unter den verschiedenen Autoren hinsichtlich der mutmaßlichen Entstehungsbedingungen dieser Erkrankung. Ebensowenig scheint uns die rein phänomenologische Beschreibung des Zustandsbildes selbst inzwischen zu einer einheitlichen Konvention gediehen zu sein. — Die Begriffsbildung als solche, das Wort „psychogene Magersucht“, legt zunächst die Vorstellung nahe, daß es sich bei so erkrankten Patienten um eine Abmagerung handeln solle, die trotz ausreichender Nahrungsaufnahme unaufhaltsam und unabwendbar vor sich geht. Um ein Krankheitsbild also, das in Analogie zur Simmondsschen Kachexie zu setzen wäre, bei dem nun jedoch psychische Faktoren wesentlich für die Entstehung vèrantwortlich gemacht werden. Es mag dahingestellt bleiben, ob es ein solchas Krankheitsbild aus psychischen Gründen tatsächlich gibt. Uns persönlich will scheinen, daß wir es bei einem großen Teil der so benannten Erkrankungen im Grunde nur mit der katastrophalen Intensivierung einer im großen und ganzen nicht einmal seltenen allgemeinen neurotischen Störung zu tun haben. Wir meinen mit dieser Störung das Erlöschen oder Nachlassen aller Appetitregungen aus affektiven, inneren Gründen, eine Störung, die nicht selten mit Übelkeit und Erbrechen zugleich gekoppelt auftritt, und die insbesondere im Kindesalter den Kinderärzten eine recht wohlbekannte Auffälligkeit darstellt. Ebenso freilich kennt bereits unsere Sprache auch für Erwachsene die Tatsache, daß einem aus psychischen Gründen über längere Zeit hinweg „der Appetit vergehen“ kann. Wie wir im folgenden nun zeigen wollen, kann sich eine solche psychogene Eßstörung unter entsprechenden Bedingungen so katastrophal verstärken, daß der lebensnotwendige Minimumbedarf dem Organismus nicht mehr zugeführt wird und eine Abmagerung eintritt, derenAusmaß bis zur Sel