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Schriftsteller wie Lesskow und Hamsun haben uns den Menschen im Hungerzustand überzeugend beschrieben, darüberhinaus haben weite Kreise der Menschheit einen derartigen Hungerzustand im letzten Jahrzehnt am eigenen Leibe erfahren oder ihn zumindest beobachten können. Im Verhältnis zur Ausdehnung dieses Geschehens mag es zunächst verwunderlich erscheinen, wie gering die Nachwirkung im Bewußtsein ist. Arbeiten sind geschrieben worden über physiologische Auswirkungen akuten und chronischen Hungers, zum Teil aus Interesse an anderen theoretischen Fragen des Stoffwechselhaushalts, zum Teil sogar aus einer recht durchsichtigen wirtschaftspolitischen Tendenz heraus. Aber der Mensch als handelndes und leidendes Wesen wurde dabei wenig beachtet. Ist es bei der Sexualität ein Tabu oder eine Moral, die der Mensch als verdrängende Instanz aufrichtet, so dürfte die Verdrängung des Hungers, außer der schon schlimmen körperlichen Not, wegen eines psychischen Verhaltens erfolgen, das wir im folgenden nur in großen Zügen umreißen werden, um einen spezifischeren Zustand näher beschreiben zu können. Wir geben uns dabei der Hoffnung hin, durch diese detailliertere Beschreibung krankhafter Zustände letzlich wieder einen Gewinn für die Erkenntnis der gesamten Dynamik des hungernden Menschen zu finden.
Das psychische Geschehen im Hunger, das so gern und schnell wieder in besseren Zeiten verdrängt wird, ist zunächst nicht einheitlich, sondern zeigt zwei große Phasen, die physiologisch mit dem akuten und dem chronischen Hungerzustand zusammenfallen. Beim Tier wie beim Menschen ruft akuter, weitgehender oder völliger Nahrungsentzug zunächst eine allgemeine Leistungssteigerung hervor, während der chronisch Hungernde eine um sich greifende Abnahme seiner Leistungen zeigt. Der akut Hungernde ist wacher, gespannter und einfallsreicher. Sein Verstand vollbringt Leistungen, die dem Betroffenen nachträglich ungewöhnlich erscheinen. Auch die Motorik ist beim niedrigsten Lebewesen wie beim differenz