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Eines der schwierigsten Probleme, vor das uns die Nachkriegszeit gestellt hat, ist die wachsende Verwahrlosung unserer Jugend; und es ist entscheidend für unsere Zukunft, wie wir diese Lebensfrage lösen werden.
Zu Beginn einer Betrachtung über die Möglichkeiten der Hilfe taucht die Frage auf, welche Faktoren es sind, die das ungeheure Ansteigen der Verwahrlosung nach dem Kriege bedingen. Es kann hierbei auf die Arbeit von A. Mitscherlich1) verwiesen werden, die die Bedeutung und die Verursachung der Verwahrlosung aufzeigt. Dort wird dargestellt, wie unsere Zeit, in der alle ethischen und moralischen Wertungen der Vergangenheit fragwürdig geworden sind, die Jugendlichen in Opposition zu der herrschenden Gesellschaftsordnung getrieben hat. Als Ausweg aus dieser Lage empfiehlt der Verfasser, die betreffenden Jugendlichen gemeinsam in Heimen unterzubringen, in denen sie durch liebevolle Führung lernen sollen, sich wieder als Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu empfinden. Es ist der Weg, der gelegentlich auch schon mit Erfolg beschritten wurde und zur Bildung von sogenannten Jugenddörfern geführt hat. Diese „Gemeinschaftstherapie“ erleichtert die Rückbildung der Fehlentwicklungen und den Ausgleich all der störenden Einflüsse, die Kriegs- und Nachkriegszeit ganz besonders auf die junge Generation ausgeübt haben. Jedoch fehlt es anscheinend vorläufig an Mitteln, um eine genügende Anzahl solcher Stätten zu schaffen. Eine Verwendung der bisher bestehenden Fürsorgeheime dürfte auf Schwierigkeiten stoßen, da die manchmal gefängnisähnliche Beschaffenheit der Gebäude eine Beeinflussung und Gewinnung der Jugendlichen erschwert.
Wir müssen nun fragen, ob es noch weitere therapeutische Möglichkeiten gibt, die nicht an die Errichtung neuer Heime gebunden sind.
Dazu ist ein Rückblick auf die Ätiologie der Verwahrlosung notwendig. Wie erklärt es sich, daß nur eine begrenzte Anzahl von Jugendlichen scheitert, und daß die Härte der äußeren Lebensbedingungen zweifellos nicht immer m