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Ein Kind, etwa zwei Jahre alt, faßt nach einem kleinen bunten Teller, der in greifbarer Höhe und Nähe steht. Die Mutter warnt: Du darfst nicht, das ist verboten. „Ei, ei.“ Das Kind wiederholt „ei-ei“ und beschäftigt sich mit etwas anderm.
Die Mutter verläßt bald darauf das Zimmer für einige Minuten. Wie sie zurückkommt, liegen die Scherben am Boden, das Kind steht davor, das Unglück kann eben, erst passiert sein. Die Mutter wird böse, im Affekt gibt sie dem Kinde eine Ohrfeige und schimpft: „ich habe dir doch gesagt, du darfst das nicht; sieh, was du wieder angerichtet hast; du bist ein ganz böses, unartiges Kind.“
Solche Szenen kommen überall einmal vor, sind verständlich und immer noch besser als lange Moralpredigten, denn die sind zu abstrakt und unpersönlich. Ein Kind kann durchaus auch einmal ungerechte und von seinem Erleben her unverständliche Strafen vertragen, ohne daran gleich neurotisch zu erkranken. Das soll gleich hier im Anfang betont werden, um Mißverständnisse zu vermeiden.
Wichtig ist die innere Gesinnung und Liebesfähigkeit des Erwachsenen und wichtig ist, daß man das geschilderte Verhalten nicht als selbstverständlich und prinzipiell richtig und sogar notwendig ansieht.
Denn dann denkt die Mutter falsch, wird also nicht nur gelegentlich falsch handeln, sondern den Fehler der Willkür stets und in vielen Abwandlungen wiederholen. Und das hat dann katastrophale Folgen.
Worin liegt das falsche Denken; welche Gefahren ergeben sich daraus, und welches sind die wirklichen Motive des Kindes, seine innere Verfassung?
I. Worin liegt das falsche Denken? Offenbar denkt die Mutter, das Kind ist schon fähig, auf lange Sicht und auch in Abwesenheit der Mutter sich an das Verbot zu erinnern und an einem Vorsatz festzuhalten. Daher glaubt sie das Kind habe bösartig, „unartig“ gehandelt, macht sich darüber Sorgen.
Das ist falsch gedacht.
Die wesentliche Aufgabe des Kindes ist es, die Fülle der Welt in sich aufzunehmen, wahllos in sich hineinströmen zu lassen, sie sich „ein