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Es gehört zu den wohlbegründbaren Regeln der psychoanalytischen Praxis, daß ein Patient, solange er in analytischer Behandlung steht, keine Literatur aus dem Bereich der Tiefenpsychologie lesen soll, und es ist erfahrungsgemäß immer gut, wenn er sich möglichst wenig theoretisches Halbwissen von der Psychoanalyse angeeignet hat. Andererseits weiß mancher, der äußerlich oder innerlich gedrängt wird, einer analytischen Behandlung sich zu unterziehen, nicht, was Ihm eigentlich dabei bevorsteht. Das, was in Gesellschaft glossierend hierüber geäußert wird, verlockt meist nicht gerade, sich auf diese Heilmethode einzulassen.
Dieser ungünstigen Situation hat Karen Horney mit einer von ihr herausgegebenen präliminarischen Aufsatzsammlung abgeholfen. Sie selbst und eine Reihe von Analytikern ihres Arbeitskreises haben äußerst knapp und sachlich orientierende Beiträge zu Grundfragen der tiefenpsychologischen Therapie geschrieben, die geeignet sind, bei jedermann, der sich der Mühe der Orientierung unterziehen möchte, eine angemessene Vorstellung davon zu erwecken, was Psychoanalyse ihrem Wesen nach ist. Der Band enthält Beiträge zu folgenden Fragen: Warum Psychoanalyse? Welche psychoanalytischen Schulen gibt es? Was ist eine Neurose? Wer sollte Ihr Analytiker sein? Was tun Sie in einer Analyse? Wie hilft eine Analyse? Wie werden Sie sich nach der Analyse entwickeln? Eine solche Aufklärung, die durchaus persönliche Gesichtspunkte (etwa die gegensätzlichen Auffassungen zu anderen tiefenpsychologischen Richtungen) hervorhebt, kann nur nützlich sein.
Die pragmatische Schulung des amerikanischen „way of life” mag ein solches Buch drüben nahegelegt haben. Es muß durchaus bewundert werden, wie unorthodox,
1) Mit freundlicher Erlaubnis von Autor und Verlag entnommen dem Buch von Karen Horney: Are you considering Psychoanalysis? W. W. Norton and Co., New York 1946.
Page 1ohne fachwissenschaftliche Eitelkeit, wie gelassen und menschenfreundlich diese initiale Selbstcharakterisierung des