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Für jeden, der das Glück hatte, mit östlichen Übungen vertraut zu werden und im Laufe von Jahren dabei zu Erfahrungen zu gelangen, die ihn menschlich förderten, erhebt sich mit Notwendigkeit die Frage, was davon „übertragbar” sei, und ob der Segen solcher Übungen nicht auch bei uns fruchtbar gemacht werden könnte. Auch nach der Lektüre von Eugen Herrigels Buch „Zen in der Kunst des Bogenschießens”1) ist man von diesem Problem bewegt.
Als ich nach Jahren eigener Übung im Bogenschießen in Japan einmal meinen japanischen Lehrer fragte, wie er über die Einführung des Bogenschießens in Deutschland denke, antwortete er: „Gewiß, das könnte für Deutschland von großer Bedeutung sein.” Als ich ihn dann weiterfragte, wie er das meine, sagte er: „Nun, da ist jetzt Meister Herrigel und da sind Sie jetzt auch auf dem Wege, sich die ‘große Lehre’ zu eigen zu machen. Wenn Sie fleißig weiterüben und, gesetzt den Fall, es gelänge dann Ihnen und Meister Herrigel im Laufe Ihres Lebens je einen oder zwei Schüler zur Meisterschaft zu führen, so wäre das gewiß für Deutschland ein großer Gewinn.” — So denken die Meister des Ostens über die Breitenwirkung ihrer Kunst. Ein Meister mag wohl viele Schüler haben, aber er hat einen oder höchstens zwei, denen er „Es” so weitergeben kann, daß es dann durch ihn hindurch in die Welt hineinstrahlt. Auf dieses „Es” und seine Ausstrahlung aber kommt es an — das heißt auf den Durchbruch des Menschen zum Tao, oder wie es in Japan in den Kreisen des Mahayana-Buddhismus auch heißt: zu seiner Buddha-Natur. Der dann unverstellt vom Tao Bewegte und „ohne Tun” aus dem Tao Herauswirkende — das ist das Ziel aller Übung und auch der einzige Maßstab, mit dem man dem Wesen östlicher Übung, die diesen Namen verdient, gerecht werden kann.
Die „Übung”, recht verstanden, ist ein vom Menschen selbst geschaffener Weg — im Unterschiede zu dem von Leben und Schicksal gegebenen Weg des Leidens —, auf dem der Mensch Stufe um Stufe auf den Weg gelangen kann, auf dem er sich zu