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Ein ungewöhnliches Buch. Es dürfte heute kaum eine Schrift geben, die auf so gedrängtem Raume eine solche Fülle von erregenden und einzigartigen Beobachtungen enthielte wie das Buch, das Dunbar unter dem Titel „Leib und Seele”1) und dem Untertitel „Psychosomatische Medizin” geschrieben hat. Wir verdanken der Autorin schon zwei andere, größere Publikationen, “Emotions and Bodily Changes”, 1938, und “Psychosomatic Diagnosis”, 1943, in denen sie sich mit der medizinischen Wissenschaft auseinandersetzt. In diesem dritten, kleineren Werk wendet sie sich an Laien, wozu allerdings bei der Neuigkeit der Problemstellung und der Ergebnisse auch die meisten Ärzte gehören dürften.
Es werden, teils sehr kurz, teils ausführlicher und durch einen verbindenden Text locker aneinandergereiht, etwa 70 Krankheitsfälle geschildert, bei denen die körperlichen Symptome in Beziehung gesetzt werden zur Lebensgeschichte und zu bestimmten aktuellen Situationen, die dem Krankheitsausbruch vorausgingen. Wer die Beachtung solcher Beziehungen überhaupt für sinnlos und unerlaubt hält, wird darin nur zufällige Überschneidungen somatischer und psychischer Entwicklungen sehen können. Die Darstellung ist indessen so lebendig und die Beobachtungen sind so einleuchtend — versteht doch die Autorin, wie Luther sagen würde, den Leuten aufs Maul zu schauen, und damit, wie man glauben möchte, einen echten volkstümlichen Ton zu treffen —, daß man unmittelbar angesprochen wird und die Kritik zunächst ruhen läßt.
Man wird in die allgemeinen Fragen der psychosomatischen Medizin eingeführt, und zwar auf eine so geschickte und mühelose Weise, daß man kaum bemerkt, von welchem Range die Probleme sind, mit denen man es zu tun bekommt. „Das Kind, das du warst” (“The Child you were”), dieses erste Kapitel legt die psychischen Wurzeln jeder Krankheit frei. Das Kind ist, wie ein unexponierter Film, äußerst empfindlich für die Einflüsse, die von seiner Umwelt ausgehen, namentlich von den Eltern, den Tanten, den Pflegeperso