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Die Allportsche Lehre hat unter dem Namen „Persönlichkeitsrichtung” oder auch „humanistische Richtung” in Amerika große Beachtung gefunden. Der Grundgedanke ist folgender:
Der amerikanische Behaviorismus und die europäischen großen „Systeme” (Freud, Adler, Jung) haben das Gemeinsame, daß sie beide die Persönlichkeit „erklären” wollen. Beide führen die Eigenschaften der reifen Persönlichkeit zurück: auf Reflexbildung, Gewöhnung, Bahnung, Leitlinien, — auf Ausbildung frühkindlicher Haltungen, die sich nur noch ablösen und auf andere Objekte übertragen, beziehungsweise ins Innere der Seele aufgenommen werden. Gemeinsam ist also die Tendenz, das Wesentliche der Eigenschaften in ihrer Herkunft zu erblicken. Allport nun bestreitet weder die Rolle der Reflexbildung (in der heute korrigierten und modifizierten Form) noch die Entstehung der reifen Persönlichkeitseigenschaften aus der Art und Weise, wie wir in der Kindheit mit den Problemender Trieberfüllung und Triebversagung fertig werden. Aber er sagt, daß die Entstehung einer seelischen Eigenschaft überhaupt nicht das Wesentliche dieser Eigenschaft ausmacht. Er lehrt, daß sowohl die besondere Qualität, wie auch die seelische Energie einer Strebung „autonom” sei — das heißt: daß eine solche Eigenschaft, nachdem sie sich ausgebildet hat, im Gesamtverband der reifen Persönlichkeit ihre eigene Kraft und Wirkung entfaltet. Das ist seine „Theorie der funktionellen Autonomie der Motive”.
Allport bestreitet also nicht die Richtigkeit der Herleitung seelischer Eigenschaften aus einfacheren Triebvorgängen und bestimmten Mechanismen. Aber er sagt, daß — solange eine Eigenschaft die Merkmale dieser Herkunft zeigt — sie noch nicht eine echte Eigenschaft der reifen Persönlichkeit ist. Deren Kennzeichen ist gerade, daß sich diese Eigenschaften von ihren Entstehungsgründen ablösen und eben „autonom” werden.
Beispiel: Jemand mag Staatsbeamter geworden sein, weil er damit (unbewußt) seinen Vater nachahmen wollte. Nachdem er gereift ist, löst