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“Dem sachverständigen Leser wird nicht der starke Einfluß entgehen, den Max Weber auf meine Grundstellungen gewann. Ihm, dem bedeutenden Menschen, dem persönlich nahezutreten mir das Schicksal vergönnte, gilt diese ganze Arbeit als Huldigung”: dieses schöne Bekenntnis ist dem merkwürdigen „Lehrbuch” der „verstehenden” Psychologie vorangestellt, von dem man behaupten möchte, daß es sich dabei weder um ein „Lehrbuch” noch um „verstehende” Psychologie handle. Derselbe Max Weber hat einmal einem Werke Rudolf Stammlers „nicht viel weniger als die wissenschaftliche Existenzberechtigung überhaupt” bestritten, und zu diesem „mißlichen Unternehmen” neigt man auch Gruhles Buch gegenüber, um die während und nach der Lektüre anhaltende schwere Enttäuschung unwirsch los zu werden. Ich weiß wohl, es ist nicht menschenfreundlich, dem psychologischen Lebenswerk eines bald 70-jährigen Autors — um ein solches dürfte es sich hier wohl handeln, obzwar Gruhles Hauptleistung glücklicherweise auf psychiatrischem Gebiet liegt — dermaßen negativ zu begegnen; aber ich weiß, daß ihm jede Schönrednerei zuwider ist und er (um nochmals Max Weber zu zitieren) die „rücksichtslose Offenheit” vor aller sentimentalen Gefühlsduselei bevorzugt: darauf stütze ich mich. Fast zwei Drittel seines umfangreichen Werkes sind den Anteilen der (verstehenden) Psychologie an den Einzelwissenschaften (Philosophie, Geschichts-, Religions-, Kunst-, Sozial-, Volks-, Rechts-, Sprach-, Natur-, Heilund Erziehungswissenschaft) gewidmet: eine Reihe von Zitaten, Referaten, Einfällen, Überlegungen, Exkursen, kritischen Randglossen; gelegentlich wird eine persönliche Erinnerung des Autors eingeflochten. Gewiß bringt seine erstaunliche Belesenheit in der auch weniger bekannten Fach- und Weltliteratur und die kultivierte Vertrautheit mit den Künsten vieles Wissenswerte und Amüsante mit sich: allein was hat das in einem „Lehrbuch” zu tun? Gewiß sind Gruhles Urteile und Stellungnahmen zu den andern Autoren immer ungewöhnlich ent