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Vielleicht ist für den unreifen Zustand der Psychologie nichts so kennzeichnend wie die merkwürdige Sucht mancher Autoren, eine „eigene” Psychologie und Charakterologie oder wenigstens „eigene” Grundbegriffe zu kreieren, denen keineswegs auch ein original gesehener oder gar entdeckter Gehalt entspricht. Derart beginnt auch das vorliegende Buch Schneiders, dessen Einleitung sich in eigenwilligen Begriffsbestimmungen — der „Instinkt” zum Beispiel wird als die „Fähigkeit der Seele, Körperorgane zu bauen und ihnen gemäß zu leben”, bezeichnet — nicht genug tun kann. Aber glücklicherweise vergißt der Autor dann bald seine terminologischen Anstrengungen, so daß an Stelle der zu befürchtenden Unterhaltungen in einer Privatsprache eine leicht verständliche, wesentlich, obzwar nicht ausschließlich psychoanalytisch orientierte Darstellung der Psychologie der Kindheit und Jugend tritt. Jene wird nach Entwicklungsphasen (Leibesfrucht und Körperbildung, der Säugling, das Spielkind, das Schulkind), diese nach Verhaltensund Charaktertypen (nach außen und nach innen Eingepaßte, Gestimmte und Verstimmte, Gepflegte und Ungepflegte, Lügner, Bettnässer und so weiter) gegliedert. Das Beste sind die mit eingestreutem Humor geschilderten zahlreichen Beispiele, in deren Charakterisierung sich des Verfassers Begabung d kumentiert, die wirklich nicht in der theoretischen Durchdringung liegt.