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Nach alter religionsgeschichtlicher Überlieferung zeichnet sich die israelitische Religion durch ihre unbeweibte und völlig asexuelle einzige Gottheit vor fast allen andern Kulten aus, auch den semitischen. Wo weibliche Numina im Alten Testament sich kundgeben, da sollte es sich um eingeschmuggelten, durch illegitime Vermischung vor allem mit dem kanaanitischen Vorstellungsgut entstandenen Fremdbesitz handeln, der ausgeschieden wurde und weiter keine Rolle spielte.
Demgegenüber unternimmt Roellenbleck den verdienstvollen Versuch, nachzuweisen, daß die Magna Mater, wie aus dem Alten Testament aus zahlreichen Stellen hervorschimmere, vielmehr zum wichtigen Stamm- und Erbgut der israelitischen Religion gehöre und den Kultus Israels von Anfang an bis über die Entstehungszeit des Alten Testamentes hinaus beeinflußt habe. Dabei geht er in manchen Auslegungen mit kritischen Theologen, wie Gunkel, Greßmann, Bertholet, Volz und so weiter einig, hält sich jedoch auf Grund seiner genauen, durch viel jährige eigene theoretische und praktische Studien erworbene Kenntnis der Psychoanalyse mit Recht für befugt, über sie hinauszugehen.
Selbstverständlich ist es auf diesem Gebiet, wie auf manchem anderen, unmöglich, genaue Grenzen zwischen gesicherter Theorie und ungesicherter Hypothese anzugeben. Der hervorragenden Wissenschaftlichkeit des auf äußerst gründlichen Untersuchungen aufgebauten und mit Scharfsinn ausgearbeiteten Buches von Roellenbleck geschieht in keiner Weise Abbruch, wenn wir dies feststellen und hinzufügen, daß für diejenigen, die direkte psychoanalytische Erfahrungen gemacht haben, manche Auslegung als gültig erscheint, die Fernstehende als phantastisch und willkürlich ablehnen müssen.
Im Schöpfungsmythos findet Roellenbleck die Magna Mater in Schom-Tiamat, in der Ruach, dem über den Wassern schützend schwebenden oder brütenden Geist Gottes (Seite 38) der Vogelmuttergottheit, die in die Taube als Verkörperung des Heiligen Geistes überging, in den Wassern des Urmeeres,