You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Portmann hat immer die Auffassung vertreten, der Biologe müsse aktiv, das heißt im Bedarfsfall mit reicher Phantasie und mit zahlreichen Arbeitshypothesen, an seinen Forschungsgegenstand herantreten, aber stets bereit sein, eine übernommene oder eigene Theorie in dem Augenblick fallen zu lassen, da eine passendere, richtigere gefunden wird. Bei dieser Einstellung ist nichts selbstverständlich, auch nicht die uns noch so vertraute Tiergestalt, weder die Stirnaufsätze der Paarhufer, noch das Chromatophorenspiel der Sepia, weder die Farben und Formen der Tukanschnäbel noch die bizarren Muster der Korallenfische. Jede dieser Einzelheiten muß gesehen und gedeutet werden; die meisten der bequemen teleologischen Erklärungen ließen sich bekanntlich nicht halten. Auch Portmann, der sich eine intensive und umfassende Übersicht über eine Unzahl von Tiergestalten erarbeitet hat, liefert uns keine vollständige, fertige Theorie; aber er deckt viele erstaunliche Zusammenhänge auf und führt uns vorsichtig bis an die „Grenze des Sagbaren”. Zu diesem gesicherten Tatsachenbestand gehört etwa die Einsicht, daß die Muster zum Beispiel eines Schmetterlings oder eines Zebras keineswegs mehr oder weniger zufällige Nebenprodukte von entwicklungsgeschichtlichen Prozessen sind: „Wir werden uns vom Ganzen des Organismus eine andere Auffassung bilden müssen. Wir werden einsehen müssen, daß nicht nur ein Auge, ein Herz, ein Gehirn durch planmäßige Fügung von Entwicklungsvorgängen entsteht, sondern auch die Bildungen der äußeren Erscheinung, die Zierformen, die Zeichnungen” (Seite 155). Manche dieser visuellen Organe sind „die Sendeapparate, die einem ganz bestimmten Empfangsgerät zugeordnet sind, deren Sendungen auf die Eigenart des Empfangsorganes hin zu beurteilen sind”. Vielfach lassen sich an der Tiergestalt Kopfpol und Analpol als optisch besonders auffällige Zentren feststellen, und oft ist der Kopf deutlich der führende Pol mit überraschenden Akzenten der gesteigerten Formbildung, der Fär