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Müllers Buch, das zumeist den physikalisch-chemischen sowie den bioelektrischen Vorgängen im Großhirn gewidmet ist, und einen Beitrag von Wöhlisch über die Physiologie und Pharmakologie des Schlafes enthält, befaßt sich in einem eigenen Kapitel auch mit dem „Schlaftraum”. Der 78jährige Verfasser stellt dabei fest, daß „der alternde und im Alter mißmutig werdende Mann den Träumen dafür dankbar sein muß, daß sie ihn aus der häßlichen Wirklichkeit in den
sonnigen Garten der Kindheit zurückführen, und daß sie ihm frohe Bilder aus den Entwicklungsjahren und aus den Zeiten, in denen er noch voll arbeits- und leistungsfähig war, in Erinnerung bringen. Vor allem muß er auch dafür danken, daß sie ihm noch manchmal die Gunst schöner, liebenswerter Frauen vorspiegeln”. — Damit ist der thematische Rahmen gegeben, in dem der Verfasser seine Untersuchungen durchführt. In Form einer Plauderei streift Müller deskriptiv einige Traumprobleme, nicht ohne jedoch des öfteren zum Widerspruch herauszufordern. So behauptet Müller zum Beispiel: „Die Träume greifen aus dem ruhenden Gedächtnis ohne Plan und Sinn einzelne Bruchstücke heraus, um sie in buntem Wirbel durcheinanderzumengen. Es fehlt dem Traum die geistige Disziplin des gezielten Willens.” Oder an anderer Stelle: „Das Glücksgefühl tritt im Traume fast nur auf, wenn das andere Geschlecht mit in Erscheinung tritt.” Und an einer weiteren Stelle: „Peinliche Träume stellen sich vorzüglich dann ein, wenn man vielleicht unter einer leichten Alkoholintoxikation steht.”
Mit liebenswürdiger Offenheit schildert der verdienstvolle Verfasser seine eigenen Träume, deren tiefenpsychologische Deutung gewiß reizvoll wäre, was aber vom Verfasser — in Ablehnung tiefenpsychologischer Gedankengänge — leider gar nicht ins Auge gefaßt wird.