You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Analyse der Handschrift Freuds stellt uns vor eine kaum zu bewältigende Aufgabe.
Ist es wirklich möglich, sich von dem Bewußtsein frei zu machen, wem diese Handschrift gehört, das Werk vom Menschen zu trennen, um objektiv sein?
Nachdem ich die Handschrift wieder und wieder vorgenommen und zu analysieren versucht hatte, beschloß ich, einen anderen Weg einzuschlagen, nicht mich zu zwingen, „Freud zu vergessen“, sondern, im Gegenteil, ihn in der Handschrift zu suchen. Dieses aber erwies sich als ebenso schwierig. Ich habe also einen mittleren Weg gewählt.
Zuerst, wie immer, habe ich mich dem Eindruck der Handschrift hingegeben, fast möchte ich sagen, preisgegeben. Es geschah nicht ohne Erschütterung. (Natürlich kenne ich diese Schrift seit langem, hatte sie aber nie bearbeitet.)
Es ist eine der erstaunlichsten Schriften, die mir je begegnet sind. Am ehesten kann man sie einem Vulkanausbruch vergleichen. Da ist kaum ein Merkmal, das wir als typisch für den Ausdruck eines Denkers kennen, etwa durchsichtige Klarheit in der Raumverteilung, wie bei Nietzsche und Bergson, oder kleine Schrift mit gerundeten Basisformen der Kleinbuchstaben, Leichtigkeit des Drucks und Vereinfachung der Formen, wie bei Einstein.
Sondern: eine geballte Masse hoher stachliger Zäune, undurchdringlich ineinander verhakte Zeilen, schwerer schwarzer Druck, nach oben, und besonders nach unten, vorstoßende Längen der mittleren Buchstaben.
Eine Naturkraft äußert sich hier mehr als ein menschliches Hirn, ein Übermaß sich jagender Affekte, ein Sturmwind, der heranbraust und raschelnde Blätter vor sich herfegt. Und dennoch, Freud war unleugbar ein Denker; er hinterläßt ein Werk von unübersehbarer Tragweite, er schreibt einen Stil von größter Klarheit!
Betrachtet man das Blatt als Einheit, ohne zunächst auf die Einzelheiten einzugehen, so fällt in die Augen die eigentümliche Gliederung der Massen. Wir kennen verschiedene Arten von Schwarzweiß-Anordnung, gegeben in den Absätzen, der Behandlung von Rändern und Z