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Die neuere Entwicklung der ärztlichen Praxis, die dem Arzt—Patient-Verhältnis so große Bedeutung beimißt, hat uns eindringlich zum Bewußtsein gebracht, welch wichtige Rolle die gefühlsmäßigen Beziehungen zwischen Arzt und Patient spielen. Immer lauter wird die Mahnung, diese Beziehung in glücklicher Form zu gestalten. Die psychosomatische Medizin hat errechnet, daß in 30 bis 50 vom Hundert aller Fälle einer Allgemeinpraxis Gefühlskonflikte die Entstehungsursache des Leidens sind. Die Psychoanalyse hat die Behauptung aufgestellt und begründet, genauere Beobachtung sei in der Lage, solche Gefühlskonflikte nicht nur aufzudecken und zu verstehen, sondern auch zu heilen, und zwar durch Analyse der Gefühlsbeziehungen, die zwischen Arzt und Patient in der sogenannten Übertragung entstehen.
Aufgabe dieser Arbeit ist es, einige Aspekte solcher Gefühlsbeziehungen darzustellen, die in jedem Fall auftreten, wenn ein Arzt einen Kranken behandelt, und, bleiben sie unverstanden, den Patienten am Gesundwerden und den Arzt in seiner Arbeit hindern können.
Jeder Arzt hat eine sehr deutliche Vorstellung von sich selbst, sowohl in seiner Eigenschaft als Mensch wie auch als Arzt. Mag diese Vorstellung auch teilweise unbewußt oder nicht klar zum Bewußtsein vorgedrungen sein, sein ärztliches Handeln bleibt von ihr abhängig. Er spürt, daß er bestimmte Pflichten, Aufgaben, Sondervorrechte hat, daß er einen ganz bestimmten Platz im sozialen Leben einnimmt und zu seinen Patienten in einer ausgesprochen spezifischen Beziehung steht. Sobald nun etwas geschieht, was diese Vorstellung des Arztes von sich selbst stört, so empfindet er Angst. Diese Angst kann in Form von Ärger, Ungeduld, therapeutischem Pessimismus, aber auch als Depression und Furcht auftreten.
Der Arzt ist ein direkter Abkömmling des einstigen Priester-Königs. Auch der jüngste und unerfahrenste Vertreter der ärztlichen Wissenschaft hält sich selbst für einen Heiler, für einen Menschen, dem seine Umgebung Ehrerbietung, ja gelegentlic