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Mit behutsamer Überlegenheit leitete Raffin, Mainz, als Vorsitzender der diesjährigen Wanderversammlung der südwestdeutschen Neurologen und Psychiater auf die Leitthemen hin. Die erste Vortragsfolge war um das Hauptreferat von Ludwig Binswanger, Kreuzlingen: „Daseinsanalyse und Psychiatrie“ gruppiert.
Wenn auch an den somatischen Grundlagen der Psychiatrie nicht gezweifelt werden dürfe, führte Raffin aus, so habe sich doch auf der anderen Seite aus der alten psychiatrischen Beschreibungskunst und unter Eingliederung der modernen tiefenpsychologischen Erfahrungen ein Zuwachs an Verstehbarkeit der Krankheitsinhalte ergeben. Das sage allerdings noch nichts aus über die dahinter liegende Tatsache, daß Krankheit dadurch, daß man ihren Inhalten verstehend sich nähern könne, als solche damit noch nicht verstanden sei. Übrigens habe man sich in der Psychiatrie nie von der Verstehbarkeit eines Krankheitsprozesses leiten lassen, sondern vom formalen Ablauf, den etwa eine psychotische Verhaltensweise nähme. Das klang eher wie eine Ablehnung der psychologischen Bemühungen in der Psychiatrie, aber Raffin war doch bereit zuzugeben, daß eine vertiefte phänomenologische Betrachtung Entwicklungsmöglichkeiten in Richtung einer anthropologischen Beschreibung biete. So betonte er, daß es darauf ankäme, die Eigentümlichkeit des menschlichen Wesens auch und gerade in der Krankheit wahrzunehmen. Der Verstehensbegriff als solcher habe sich geändert.
Was hier im Hinblick auf die Art und Weise gesagt wurde, in der man sich Rechenschaft über die psychotischen Inhalte gab, konnte auch mit der entsprechenden Veränderung des Sachgebietes für Wandlungen gelten, denen die hirnpathologische Betrachtungsweise fortgesetzt unterworfen war.
Die Agnosien waren das zweite Leitthema der diesjährigen Versammlung. Auch der Begriff der Wahrnehmung habe sich im sinnespsychologischen wie im psychologischen Bereich geändert. Elektive Störungen wie die Agnosien machten erst die Eigenart der Wahrnehmungsvorgänge erk