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Am 6. und 7. Mai trat in Bern die Schweizerische Gesellschaft für Psychologie und ihre Anwendungen zu ihrer 11. Tagung zusammen. Das Thema lautete diesmal: Zeichnung und Farbe als seelischer Ausdruck. Von den 10 reichhaltigen Vorträgen, die alle durch Projektionen und Demonstrationen vervollständigt waren, sei hier folgendes mitgeteilt:
Der Präsident der Gesellschaft, Dr. H. Spreng, übergab die Leitung der Tagung Dr. M. Pulver. Einführend wies Prof. Dr. Meili auf die ständig wachsende Verantwortung des Psychologen hin, die eine immer sorgfältigere Ausbildung bedinge. Zum Thema bemerkte er, daß man früher die Zeichnung mit Hilfe der Motorik zu erklären suchte, wahrend man sie seit Wartegg immer überzeugender als Ausdruck des Seelischen zu deuten versteht. Trotz der nahen Verwandtschaft dieses psychologischen Gebietes zur Graphologie berücksichtigt die Tagung diese nicht, weil dies in Anbetracht der zahlreichen Publikationen zu weit führen würde.
Mit dem ersten Referat versuchte Dr. med. H. O. Pfister, Stadtarzt in Zürich, die Arbeit des Psychologen, des Psychiaters und des Psychohygienikers durch Vorstellung eines konkreten Falles einander näherzubringen. Die klinische Untersuchung des Patienten hatte nicht eindeutig ergeben, ob es sich um eine prozeßhafte Geisteskrankheit oder um eine Psychopathie handelte. Krimineller Handlungen bezichtigt, hatte sich der Patient im Lauf der Behandlung mit Hilfe des zeichnerischen Ausdrucks als ein differenzierter, durchaus entwicklungsfähiger kritischer Beobachter erwiesen. Die Farbigkeit der Zeichnungen wies auf emotionale Konflikte hin und erlaubte es, die Diagnose Schizophrenie auszuschließen. Weil die Tests versagt haben, wurde mit Hilfe des zeichnerischen Ausdrucks gearbeitet. Es gelang mittels der zeichnerischen Dokumente des Patienten dessen Persönlichkeitsstruktur aufzudecken. Die Konsequenzen aus diesem Beispiel ergaben, daß es notwendig sei, zwischen zahlenmäßig auswertbaren Tests und rein ausdruckspsychologischen Mitteln