You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das siebeneinhalbjährige Mädchen Ruthli, von dem im folgenden berichtet wird, wurde dem Analytiker von einem praktischen Arzt zugewiesen. Das Kind war schon seit Jahren in ärztlicher Behandlung, besonders wegen körperlichen Entwicklungshemmungen, Eß- und Verdauungsstörungen, sowie Schlaflosigkeit beziehungsweise nächtlichen Angstzuständen. — Die psychotherapeutische Behandlung erstreckte sich über genau 5 Monate mit insgesamt 55 Sitzungen.
Ruthli ist ein feingliedriges, zartes Mädchen mit großen, glänzenden Augen. Sein blasses Gesichtchen ist umrandet von hellblondem Haar. Seine Größe entspricht einem Fünf jährigen, sein Gewicht beträgt 16,5 Kilogramm. Das um anderthalb Jahre jüngere Schwesterchen ist ebensogroß wie Ruthli und um einige Kilogramm schwerer. Dieses einzige Geschwister sieht kerngesund aus, hat keinerlei Störungen und ist rührend hilfreich gegenüber seinem angstvollen und unselbständigen Schwesterchen.
Die Schwierigkeiten von Ruthli: Seit Jahren appetitlos, und seit Schulbeginn (½ Jahr vor Anfang der Analyse) krampfhaftes Erbrechen während der Mahlzeiten, besonders beim Frühstück. Ruthli leidet an Durchfall, in der Hauptsache vor und nach dem Frühstück. An Sonntagen oder während der Ferien, oft auch bei eintägigem Schulausfall fehlen diese letzteren Symptome meistens Schlaf: Einschlafschwierigkeiten von mehreren Stunden, Schreikrämpfe während der Nacht im Halbschlaf (auch während der Ferien). In der Schule geht es sehr schlecht. Ruthli weint oft, besonders, wenn ein neuer Stoff, eine etwas schwierige Aufgabe an die Reihe kommt. Dabei arbeitet es zu Hause unentwegt und ganze Nachmittage für die Schule, ohne dazu angehalten zu sein. Obschon es sehr sauber arbeitet, ist es mit keiner Leistung zufrieden. Es findet alles häßlich, betitelt sich selbst Idiot und scheint von seiner Unfähigkeit absolut überzeugt. Ruthli geht nie allein auf die Straße. Meist nimmt es eine Kameradin mit oder die Mutter begleitet es die hundert Schritte bis zum Schulhaus. Spielen ka