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Ein 1947 in Bonn gehaltener Vortrag von Kluges, der in klarer Zusammenfassung und mit guten Beispielen die „physiognomischeErfassung“ des Fremdseelischen gegen die Ideen verteidigt, 1. Seele ließe sich auf „Reflexe“ zurückführen und sei ein überflüssiger Begriff, 2. die Findung des Seelischen geschähe durch bewußte Schlüsse. (Das Erste gegen den Watson schen Behaviorismus gerichtet, das Zweite gegen die Bewußtseinspsychologie vor der Jahrhundertwende.) — Die sich für Klages danach ergebende These von dem alleinigen Zugang zum Seelischen durch die Physiognomik kann mit dieser Kritik am offensichtlich falschen Extrem allerdings nicht bewiesen werden.
Auch sonst vereinfacht der Vortrag in vielem. Klages sieht als Verdienst des Behaviorismus an, daß er 1. mit der „Introspektion“, 2. mit der „Erschließbarkeit“ des Fremdseelischen, 3. mit dem „Einfühlungs- und Projektions-Schema“ aufgeräumt habe. — Diese „Aufräumungsarbeit“ war aber gerade in vielem zu einfach-radikal. (Wie die meisten „Aufräumungsarbeiten“.) Und andererseits wendet sich Klages nur gegen den heute überall aufgegebenen Watson schen Behaviorismus. Der heutige Behaviorismus hat eine wichtige Funktion in der Psychologie: äußerste Kritik gegenüber der ganzen spekulativen Bilderwelt, die wir immer wieder hinter dem allein faßbaren Verhalten aufbauen. Seele „ist“ gewiß nicht „behave“, aber sie „erscheint“ an ihm, und nur an ihm, respektiv ist sie (als Innenleben) letztlich auf das Verhalten ausgerichtet. Klages operiert immer noch mit der „Seele an sich“, nicht mit dem „beseelten Verhalten“ des Menschen. Das Problem heißt: Das Verhalten weist auf das beseelte Individuum zurück, ohne daß dabei aber „Seele“ als etwas für sich selbst Faßbares sichtbar würde. Aus dem Gegensatz Behaviorismus—Physiognomik lassen sich tiefere Probleme entwickeln als solche alternativen Feststellungen.