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Unsere Zeit hat die biologische Frage, wie der Mensch als Lebewesen auf bestimmte Reize reagiere, ergänzt durch die Frage, was bestimmte Empfindungen für den Menschen in Hinsicht auf sein verantwortetes Dasein als Person bedeuten.
Diese neue Fragestellung zeigt eine Wendung des allgemeinen Interesses von der Biologie zur Anthropologie an. Sie bedeutet nicht eine negative Kritik an den
bisherigen Befunden, die vielmehr aus der neuen Perspektive eine zusätzliche Interpretation erfahren.
In seinem Buch „Über den Schmerz“ stellt sich der holländische Arzt, Physiologe und Psychologe Buytendijk die Aufgabe, das Schmerzproblem in die anthropologische Sicht zu nehmen. Der Schmerz nimmt insofern eine Sonderstellung unter den Empfindungen ein, als er zwar lokalisiert wird aber das ganze Individuum ergreift oder doch zu ergreifen droht. Das Anliegen der Schrift Buytendijks ist es, die Weisen dieses Ergriffenwerdens darzustellen. Da der Mensch aus seiner naiven Weltbeziehung durch das Schmerzerlebnis aufgescheucht wird und sich in seiner Existenz bedroht fühlt, sucht er vorerst den Schmerz zu vermeiden und zu bekämpfen. Die bisherige Forschung und Technik dient diesem Streben. Die Beantwortung der Frage, wie der Schmerz entstehe und wahrgenommen werde, ist die Voraussetzung der modernen Schmerzbekämpfung.
Indem Buytendijk den Schmerz als ein Wesensmoment des menschlichen Daseins auffaßt, stößt er in ein noch nie zusammenhängend bearbeitetes Gebiet vor, befrachtet — oft hat man den Eindruck: belastet — mit dem ganzen Wissen um den physiologischen Aspekt des Schmerzproblems, zugleich aber auch überzeugt davon, daß der Schmerz für das Werden der, Persönlichkeit einen ausgezeichneten Sinn habe. Einen Sinn, der sich schon bei den Tieren abzeichne, der aber seine volle Bedeutung erst am menschlichen Wesen erweise. Für den gläubigen Christen Buytendijk sind uns Schmerz und Leiden nicht geschickt, um sie mit allen Mitteln zu vermeiden, sondern um sie zu bestehen und uns in ihrem Erleide