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In der Psychoanalyse sind Träume und freie Einfälle der Ausgangspunkt und das Material, an dem in gemeinsamer Bemühung von Arzt und Patient die Heilung erarbeitet werden soll. Im Surrealismus sind Träume und Einfälle nicht Material zur Erreichung irgendeines Zieles, sondern isozusagen die Sache selber. Also Kunstwerke, sofern die surrealistische Theorie zu Recht besteht. Das Publikum bleibt darauf angewiesen, gefühlsmäßig auf diese Werke zu reagieren. Maßstäbe zur Beurteilung im Sinne ihrer Intention gibt es nur für Eingeweihte; das heißt, daß nur der wirklich versteht, der zu deuten imstande ist, der also in seinem Wissen um psychische Vorgänge und Zusammenhänge den Schlüssel zur Entzifferung besitzt. Denn die theoretisch reinsten Äußerungen des Surrealismus sind Aufzeichnungen von Träumen, außergewöhnlichen Bewußtseinszuständen, Halluzinationen, vor allem aber automatisch entstandene Bilder und Schriftstücke. Die unbewußten Inhalte der Psyche, ihre Wünsche und Phantasien, der idios kosmos des Traumes, das ist die innere Realität, die der Surrealismus der äußeren Realität der Erscheinungswelt entgegensetzt. In diesem Innenraum ist aber das Individuum vorerst einmal ganz allein und ohne Möglichkeit der Kommunikation. So zieht es sich in immer tiefere Schichten seiner Psyche zurück, bis es im kollektiven Unbewußten wieder Anschluß findet. Was das Individuum aus dieser Schicht mitteilt, sind Urbilder, Urworte, die ohne Umweg über das Bewußtsein die tiefsten Wesensschichten anderer Menschen ansprechen müßten.
Nun darf man wohl annehmen, daß diese tiefsten Schichten der Psyche zu allen Zeiten die Quelle waren, aus der die wirklichen Kunstwerke ihre bannende oder führende Kraft bezogen, aus der die künstlerische Imagination sich nährte. Die Aufgabe, die der Künstler sich stellte, wodurch er überhaupt erst zum Künstler wurde, oder der Zwang, dem er sich nicht entziehen konnte, war immer die Umsetzung seiner Gesichte in eine Form, die über den einmaligen Anlaß seiner persön