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Der Überblick enthält das Wesentliche der traditionellen neurologisch-hirnlokalisatorischen Aphasielehre seit Broca. Die Grundeinstellung Lotmars ist eine vorwiegend „klassische“, das heißt, es handelt sich um eine von der Strukturfunktion des Zentralnervensystems ausgehende Pathologie der Sprach. Die Aphasie ist in diesem Sinne Abbauerscheinung an dem im individuellen Leben erworbenen Gedächtnis- und Könnensbesitz spezieller akustisch-genetischer Einheitsbildungen,— ein Abbau mit dem Erfolg des partiellen oder totalen Verlusts der Sprache, der Entdifferenzierung, der ungeordneten Miterregung, der partiellen Enthemmung. Die unersetzliche Bedeutung des vom Abbau betroffenen Werkzeugs zwingt notwendig auch der geistigen Leistung sekundär eine Einengung und Einschränkung auf. Eine, wenn auch nur teilweise umgekehrte Beziehung (die sog. „noetische“ Aphasietheorie von Pierre-Marie bis Goldstein, Head und Binswanger) wird abgelehnt. Die gegenwärtig im deutschen Schrifttum diskutierte aktualgenetische (Conrad) und leistungspathologische Auffassung der Aphasie wird noch nicht erwähnt. — An die Ergebnisse der Aphasieforschung knüpft Lotmar grundsätzliche Erörterungen über das Wesen des „Lokalisierens“ an, also über das implizierte Denkschema beim Lesen von sogenannten Hirnkarten, insbesondere wenn (wie Kleist) auch höhere Leistungen in morphologische Areale lokalisiert werden: Ein „Lokalisiertsein“ des Spezifischen — etwa des Denkens — in ein verhältnismäßig umschriebenes Hirnareal sei durchaus möglich, jedoch ein „Konzentriertsein“ daselbst im Sinne einer Autarkie eben jener Area wäre wegen des Mitgefordertseins übergreifender Leistungen, Zusammenhänge und Organisationen eine irrige Annahme. Jeder Area stünde ein praktisch unbegrenzter Inbegriff sonstiger Hirnanteile zur Mitarbeit zur Verfügung, erst die Realisierung dieser Zusammenarbeit unter der Direktive des Zentrums schaffe jene hochkomplexe Gesamterregungsabläufe, denen auf psychischer Seite das tätige Denken und auch