You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Auf Grund seiner Erfahrungen und Studien auf dem Gebiete der Tiefenpsychologie und Psychotherapie geht es dem Verfasser um eine skizzenhafte vorläufige Stellungnahme zu K. Schneiders Psychopathiebegriff. K. Schneider definiert die Psychopathen etwa „als seelisch abartige Menschen, die sich selbst oder ihrer menschlichen Umgebung durch ihr Verhalten Leid bereiten“. Er ist überzeugt, daß die Psychopathie eine genotypische Angelegenheit ist, die letztlich erbmäßig rein körperlich bedingt und im Grunde nicht korrigierbar ist. Nur am Rande streift er entgegengesetzte Auffassungen, wie etwa die neurosenpsychologische. In seinem Buch „Die psychopathischen Persönlichkeiten“ (6. Auflage, Verlag Deuticke, Wien ) entwirft er mit Hilfe der beschreibenden Methode ein plastisches Bild der 10 verschiedenen Psychopathengruppen. Er beschreibt außerdem die Erfahrungen, die man bei den mannigfaltigen Versuchen, Psychopathen zu behandeln, gemacht hat. Die von ihm genannten Maßnahmen haben vorwiegend fürsorgerischen Charakter zum Schutze der Psychopathen und zum Schutz der Gemeinschaft.
Schultz-Henckes Erfahrungen gehen nun dahin, daß bei der Psychopathie einerseits zweifellos Genotypisches beteiligt ist, und zwar im Sinne der begünstigenden Bedingungen, daß aber andererseits, und zwar zum erheblichen Teil auch die peristatische Seite, das heißt die Gesamtheit der Bedingungen, die durch Umwelteinflüsse erworben werden, zu berücksichtigen ist. Die peristatische Seite, die der neurosen-psychologischen entspricht, ist bis jetzt eindeutig beim Psychopathieproblem vernachlässigt worden.
Schultz-Hencke untersucht in den 10 von K. Schneider beschriebenen Psychopathengruppen den genotypischen und den neurosen-psychologischen Anteil der