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Selbst wenn man rein ökonomisch rationale Maßstäbe an die „große“ Psychotherapie anlegt, muß man für sie plädieren, denn jede Neurose führt zu einem außerordentlich beträchtlichen Ausfall an Arbeitsstunden. Was die Patienten aber, ganz abgesehen vom „Feiern“, an Medikamenten, Pflege-, Sanatoriums- und Arztkosten verbrauchen, ist sehr viel. Damit verglichen sind 100 ärztliche Arbeitsstunden unter der Voraussetzung, daß der Patient ambulant behandelt wird, beziehungsweise nach spätestens 4 Wochen wieder arbeitsfähig wird, geringfügig. Solche Gesichtspunkte dürfen allerdings erst in zweiter Linie berücksichtigt werden. Von den etwa 60000 neurotisch erkrankten Menschen Berlins kann etwa 20000 nur mit großer Psychotherapie geholfen werden. Es sind jene Fälle, die einen ausgesprochen chronischen Verlauf zeigen. Es werden nur deshalb so viele Leiden chronisch, weil „große“ Psychotherapie zu spät eingesetzt wird. Wenn eine Neurose sich durch kleine Psychotherapie nicht bessert, ist sie spätestens nach einem Jahr einer großen, das heißt analytischen Therapie zuzuführen. Dies gilt vorläufig für die Masse der Praktiker als Faustregel. Der geschulte Tiefenpsychologe kann bereits heute „leichte“ von „schweren“ Fällen rasch trennen und danach die Art und Weise seines therapeutischen Vorgehens bestimmen. Es ist nicht so, daß „große“ Psychotherapie unter allen Umständen sehr lange dauere. Für sie ist lediglich unerläßlich, daß sie analytisch orientiert ist. Man kann in leichten Fällen schon nach wenigen Stunden zum Erfolg kommen, die andererseits durch nicht analytische Therapie sehr leicht iatrogen chronifiziert werden können. Noch vor 20 Jahren betrug die durchschnittliche Behandlungsdauer chronischer Fälle etwa 500 Stunden, dagegen heute 100 bis 200. Es käme einmal darauf an, an Hand eines großen Materials „die Erfolge der faktisch nur kurze Zeit dauernden analytischen, daher leider oft sogenannten ‚Kurztherapien‘ mit den anderen, angeblich stets kurz dauernden Verfahren zu verg