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Untergrunddepression ist ein besonderer Gemütszustand des normalen, bei besonderer Häufigkeit und Schwere des psychopathischen Lebens. Der Verlauf einer reaktiven, also motivierten Depression (Traurigkeit über etwas) geht keineswegs immer dem Stand des Erlebnisses parallel. Hier gibt es große Schwankungen, die nicht sinnvoll motiviert sind, sondern einem rein kausal wirkenden Untergrund entspringen, der bei allen depressiven Reaktionen von großer Bedeutung ist. Dieser Untergrund ist auch durch andere Erlebnisse (Tageszeit, Wetter, Musik und so weiter) beeinflußbar. Er kann sich auch ohne jeden ersichtlichen Grund ändern. Das Gefühlsgewicht der Erlebnisse folgt also nicht durchweg den Gesetzen des verständlichen Sinnes. Es gibt reine Untergrunddepressionen; der Untergrund bestimmt hier die Durchschnittsstimmung. Was er selbst ist, überschreitet die Erfahrung und ist eine philosophische Frage. Für den Psychiater ist das ein Grenzbegriff. Der Untergrund wird nicht erlebt und ist nicht erlebbar; man kann keine Aussagen über ihn machen, dieser Begriff läßt sich auch nicht psychologisieren, er ist etwas völlig anderes als das Unbewußte der Psychoanalyse — soweit etwa der Autor. Wir müssen uns allerdings fragen, ob diese Untergrunddepression tatsächlich mit dem Unbewußten nichts zu tun habe. Diese Frage läßt sich nur an gründlich tiefenpsychologisch erforschten Fällen klären. Wir sind der Meinung, daß in sehr vielen Fällen, in denen mit Hilfe der psychiatrischen Methodik hier keine Antwort mehr erhalten werden kann, bei denen eine Grenze erreicht zu sein scheint, „hinter die keine Erfahrung reicht“, ein tiefenpsychologisches Vorgehen noch durchaus wichtige Aufschlüsse zeitigen würde.