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Die Beziehungen zwischen Seelsorge und Psychotherapie sind so alt wie beide Arten der Bemühungen um den Menschen. Über die Kulturen des Altertums verlieren sie sich in der Vorgeschichte der Menschheit. Dabei ist festzustellen, daß Seelsorgerliche und seelenärztliche Bemühungen sich um so mehr annähern, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, und daß sie vielfach in Personalunion ausgeübt wurden. In gewissen Kulturen war dies geradezu die Regel, und zwar sowohl bei hochentwickelten wie bei primitiven Kulturen. Mit Aristoteles im 4. vorchristlichen Jahrhundert hat sich dann wohl die entscheidende Wendung vollzogen, indem neben der bisher vorwiegend esoterischen Schau die exoterische Betrachtungsweise als Ursprung der naturwissenschaftlichen Entwicklung Platz griff.
Diese geschichtliche Geistesentwicklung ist insofern noch von aktueller Bedeutung, als sie ein Spiegelbild abgibt für die heutigen Beziehungen der Seelsorge zur Psychotherapie. Allerdings gilt dies nur, wenn wir sie anthropologisch betrachten, das heißt vom Menschen aus und im Hinblick auf ihn. Ich bin nämlich der Meinung, daß Seelsorge und Psychotherapie auch individuell aus einer Quelle stammen und 2 verschiedene Wege sind, die dasselbe Ziel erstreben. Hierzu müssen wir uns freilich zunächst einmal jedes bestimmten Glaubensinhaltes sowie jeder psychotherapeutischen Anschauung enthalten und auf eine Grundfunktion zurückgehen, die beiden Richtungen menschlichen Strebens gemeinsam ist. Als solche erscheint mir das mystisch-religiöse Gefühl der Allverbundenheit, das in undifferenzierter Form allgemein verbreitet ist und zum innersten Wesen des Menschen gehört.
Aus diesem kosmischen Gefühlsdrang, worin alle seelischen und geistigen Funktionen enthalten sind, gehen auch die Bestrebungen zur Seelsorge und zur Psychotherapie hervor. Wenn wir uns das in einem Bilde vorstellen, dann erscheint eine Divergenz aus der Einheit und dem zugeordnet eine Konvergenz zur Einheit. Dieses Bild besagt freilich auch, daß es z