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Das Psychologische Institut der Universität Bonn hatte am 29. und 30. Juni 1950 zu einer 1. Arbeitstagung eingeladen, um die Einweihung der neuerstandenen Räumlichkeiten festlich zu begehen.
Nach der Begrüßung durch den Direktor des Psychologischen Instituts, Herrn Prof. Erich Rothacker, sprach Prof. Behn, Bonn, über den „Sinn der Psychologie“ und stellte insbesondere die Gefahren heraus, welche der Psychologie „durch den schielenden Seitenblick auf die Praxis“ drohen. Im unerwarteten Augenblick entspringe aus der Theorie die praktische Anwendung. — Prof. Heiß, Freiburg, referierte über seine Erfahrungen aus der psychologischen Begutachtung vor Gericht und wies auf den Wert objektiver Methoden der Persönlichkeitsbeurteilung hin, insbesondere auf den Rorschach-Test, der die Unterscheidung zwischen Extremvarianten und Normalbreite psychischer Reaktionen ermögliche. — In einem temperamentvollen Vortrag sprach Prof. Wellek, Mainz, über das Problem der Exaktheit in der charakterologischen Diagnostik. Er betonte den Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen und einer exakten Methode; eine nicht exakte Methode brauche keinesfalls unwissenschaftlich zu sein. Die heute geübte charakterologische Diagnostik sei der Typus eines nicht exakten Experiments. Die Exaktheit des Rorschach-Testes zum Beispiel müsse als Pseudo-Exaktheit bezeichnet werden; allein schon die Auszählung der Prozentzahlen verstoße gegen das grundlegende Prinzip der großen Zahlen. — Am Nachmittag des ersten Tages begann Prof. Mathieu, Aachen, mit einem Vortrag über die Bedeutung der Psychologie im industriellen Betrieb. — Frau Prof. Moers, Bonn, berichtete über ihre Erfahrungen bei psychologischen Untersuchungen an Hirnverletzten am Beispiel der Apraxie und betonte die Zusammenhänge, die zwischen Leistungsausfall und Charakter bestehen. — Doz. Dr. Thomae, Bonn, sprach über Psychologie und soziale Arbeit. Er berichtete über seine Erfahrungen in der Fürsorgeerziehung und führte aus, daß in der Fürsorgeerzieh