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Mit der „anthropologischen Bedeutung der Phantasie“ hat Hans Kunz sein bisher größtes und bedeutendstes Werk vorgelegt, nachdem er seit 1929 (wo er durch seine überlegene, jugendlich-feurige Kritik der Adlerschen Individualpsychologie — Z. für Neur. 116 — die Aufmerksamkeit erregte) eine Reihe wesentlicher Arbeiten auf dem Gebiet der Psychologie, Psychopathologie und Philosophie veröffentlicht hatte. Der Leser, der im Hinblick auf die wissenschaftliche Entwicklung des Autors große Erwartungen bezüglich des neuen Buches hegte, wird nicht enttäuscht: wer sich die Mühe nimmt, sich in die infolge ihrer Fülle und Dichte nicht leicht zu lesenden zwei Bände einzuarbeiten, wird reichen Gewinn davontragen.
Unser Referat hält sich absichtlich eng an die Formulierungen des Buches. Da Kunz selbst in außergewöhnlich umfassender Weise seine Ergebnisse mit den Meinungen der relevanten europäischen Autoren konfrontiert hat, erübrigen sich eingehende kritische Stellungnahmen: sie könnten zu leicht als simplifizierendes Polemisieren und ins-Licht-Rücken der eigenen Standpunkte erscheinen. Der erste Teil des Buches ist der psychologischen Analyse und der Theorie der Phantasie (Einbildungskraft, Imagination) gewidmet, der zweite bringt Beiträge zu einer philosophischen Anthropologie; hier sind neben der Phantasie der Geist, das Nichts und der Tod die zentralen Probleme.
„Die“ Phantasie ist auf dreierlei Weise zu bestimmen: 1. als ein spezifisches Vermögen oder eine besondere Kraft, die Phantasie oder Einbildungskraft; 2. als strömende, relativ ich-fern erlebte innere Tätigkeit, das Phantasieren im engeren Sinne; 3. als das von dieser Tätigkeit hervorgebrachte Ganze der anschaulichen, inneren, eines immanenten Gegenstandsbezugs ermangelnden wortlosen Bilder, der sogenannten Phantasmen.