You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Bildwerke des niederländischein Malers Hieronymus Bosch ( bis ) haben die Psychologen und psychologisch interessierten Ärzte von jeher wegen ihres starken symbolischen Gehaltes gefesselt, der bisher unverständlich erschien. Wilhelm Fraenger hat das Rätsel um diese Bilder gelöst. In zwei Büchern hat er seine Deutungen ausführlich dargelegt und erschöpfend begründet. Es ist nicht möglich, die feinmaschige historische Beweisführung auch nur annähernd in einem Referat zu erschöpfen. Fraengers Forschungen eröffnen den Blick auf Hintergründe mittelalterlichen Lebens, die bisher ungeahnt und unerahnbar waren.
Hieronymus Bosch hat seine Bildwerke im Auf trage eines geistigen Inaugurators gemalt, der sich in freier Entscheidung höchst aktiv mitten in das religiös äußerst bewegte Leben seiner Zeit hineinstellte. Diese Religiosität war damals in den Niederlanden besonders stark und offenkundig sexuell akzentuiert. Der Auftraggeber Boschs war ein aus Deutschland nach Hertogenbosch verschlagener Jude, der in einen jüdischen Konventikel hineinheiratete, in dem religiöse Bräuche herrschten, die eine enge traditionelle Beziehung zu gnostischen Ideengehalten zeigten. Sie sind in der Bildtafel „Die Hochzeit zu Kana“ aus dem Boyman-Museum in Rotterdam dargestellt. Im Hintergrund dieser Tafel, die von mancherlei intimen Beziehungen konfessioneller Art durchwittert ist, demonstriert ein Zeremonienmeister auf einem Altar beziehungsreich aufgestellte Symbole sexuell-religiöser Natur. Der Altar und die auf ihm aufgestellten Gegenstände zeigen die engen Beziehungen dieser Sekte zu matriarchalischer Gesittung und Religiosität. Der Altar, der die braune Grundfarbe der „Mutter Erde“ trägt, zeigt eine Architektur, die durch die Zahlen drei (entsprechend den drei Stufen des Universums: Meer, Erde, Luft) und vier (entsprechend den vier Jahreszeiten, Himmelsrichtungen und Elementen) überkreuzt ist. Dadurch entstehen