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Anliegen des Verfassers ist, am Leben und Denken Kierkegaards die Problematik des modernen Abendländers überhaupt aufzuzeigen; der große Däne erscheint deshalb nicht als Führer, sondern als Exponent der abendlandischen Menschheit. Dabei wird die polemische Haltung des Verfassers bereits in der Einleitung betont, so daß von vornherein eine sachliche Behandlung des Themas ausscheidet.
Künzlis Fragestellung lautet: Entspricht Kierkegaards Denken und Verhalten zu Lebzeiten der Liebesbotschaft des Neuen Testaments, wie sie etwa im Matthäus-Wort „Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen“ ausgesprochen steht? Ist Kierkegaard wirklich der exemplarische Christ gewesen, als den ihn protestantische und katholische Theologen bezeichnet haben?
Nachdem Künzli Kierkegaards, durch Hegels Philosophie polarisierten Denkansatz sowie zwei Zentralbegriffe des Kierkegaardschen Denkens, die „Existenz“ und den „Einzelnen“, umrissen hat, geht er auf das Biographische seines „Helden“ ein. Mit Hilfe der Tiefenpsychologie stellt er das Entstehen einer Angstneurose im jungen Kierkegaard durch ein schiefes Verhältnis zu Vater und Mutter fest, und zwar enthält dieser „Ödipuskomplex“ eine Überbewertung des Vaters und eine entsprechende Unterbewertung der Mutter. Die Mutier wird von Kierkegaard nie erwähnt, so oft er in seinen Schriften und Tagebuchnotizen vom Vater spricht. Die Mutter symbolisiert als Archetypus das komplexe, nichtrationale Leben, der Vater den selbstherrlichen, „prometheischen“ Intellekt. Dieses einseitig intellektbetonte Mißverhältnis zum Leben und zur „Gemeinschaft“ wird Kierkegaard zum Verhängnis; er verfällt immer mehr einer Neurose, in der der verdrängte, nichtrationale Seelenteil im Jungschen Sinne in Opposition zur Ratio tritt, welcher Vorgang durch eine alttestamentarisch gefärbte Angstreligion, die mit dem neutestamentarischen Christentum nichts mehr zu tun hat, idealisiert wird. Die durc