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„Der Traum ist der Strom unserer Seele, der durch das Filter des Gewissens aus unerforschter Tiefe in die Höhe steigt.“
Alle Völker beschäftigen sich zu allen Zeiten mit dem Traum. Bereits in der „Bibliothek Assurbanipals“ in Babylon finden sich Träume wie auch im Alten Testament im bekannten Josephstraum. Prägnant rationalistisch, fast modern anmutend, definiert aber erst Aristoteles: „Träumen ist Seelenleben während des Schlafes, das mit dem des Wachens gewisse Ähnlichkeiten hat und sich durch große Unterschiede dagegen absetzt.“ Die hellenistische Zeit ist dann reich an Traumsammlungen und Deutungen. Nicht mehr an heiligen Orakelstätten deutete man Traumgesichte, sondern auf Jahrmärkten, Versammlungen, Straßen. Aus dem kaiserlichen Rom berichtet Sueton von den Träumen des Caligula, die bemerkenswerte psychologische Schlüsse auf den Charakter des jungen Kaisers zuließen. —
Die Deutungen sind sicher stark vom Orient beeinflußt; und auch heute in unseren Tagen lassen sich immer noch gewisse Volkskreise von orientalischer Traumdeutung beeinflussen, indem sie sich ihre Träume von der weisen Frau deuten lassen oder die Deutung aus einem „orientalischen Traumbuch“ heraustüfteln. Immer wieder ist es die Angst vor der dunkelen Zukunft, die die Menschen treibt, ihre Träume in diesem Sinne deuten zu lassen. Die Art dieser Deutung nannte Freud Chiffriermethode, weil der Traumdeuter den Traum nicht als Ganzes auffaßte, sondern ihn zum Zweck der Deutung in einzelne Bildabschnitte zerlegt, indem er Bild für Bild im Traumbuch nachschlägt und so dann die Bedeutung dafür erhält. Weiter liegt es an der Kombinationsfähigkeit des Deuters, ob er einen verbindenden Sinn erhält oder nicht. Bei der Chiffriermethode kommt alles darauf an, daß der Schlüssel, das Traumbuch, verläßlich ist, und dafür fehlen allerdings alle Unterlagen. Hat zum Beispiel ein Mann einen Traum, in dem von einem Brief und einem Leichenbegängnis die Rede ist, so nimmt er die