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Die nachfolgenden Ausführungen beabsichtigen nicht, eine systematische Darstellung der Schicksalsanalyse Szondis zu geben, sondern die Gedankenentwicklungen, die zu dieser Lehre geführt haben, zu schildern und auf deren Sinn und Tragweite hinzuweisen. Die Schicksalsanalyse Szondis hat nämlich eine doppelte Bedeutung:
einerseits verwirklicht sie eine Synthese zwischen zwei bis dahin getrennten Forschungsrichtungen, der Erbpsychiatrie und der Tiefenpsychologie,
andererseits stellt sie einen außerordentlich kühnen Versuch dar, das Problem des individuellen menschlichen Schicksals einer wissenschaftlichen Lösung näherzubringen. Somit ist ihr eine noch unübersehbare kulturgeschichtliche Bedeutung beizumessen, ähnlich wie etwa seinerzeit der Psychoanalyse Freuds.
Daher der Plan dieses Aufsatzes: Zunächst müssen wir sehen, wie sich die Schicksalsfrage aus einem verwickelten spekulativen bis zu einem klargestellten wissenschaftlichen Problem entwickelt hat. Dann, wie dieses Problem von zwei Richtungen her in Angriff genommen wurde, nämlich von de Genetik und von der Psychologie her. Darauf müssen die ersten Ansätze zu einer Synthese beider Forschungsrichtungen betrachtet werden, und schließlich die neue Fragestellung, die sich von Szondis Schicksalsanalyse aus ergibt.2)
Von den vielen verschiedenen Definitionen des Schicksals schwanken die meisten zwischen zwei extremen Auffassungen:
Im weitesten Sinne bezeichnet man als Schicksal alles, was dem Einzelnen im Leben begegnet, sofern es nicht von seinem freien Willen abhängt. Sich gegenübergestellt finden sich also einerseits die Notwendigkeit, das heißt der ganze Kosmos und der Weltlauf, andererseits das Individuum mit seinem freien Willen — ob als wirkliche Tatsache oder nur subjektives Gefühl beziehungsweise Illusion.