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Die Fragen, die Herr Mitscherlich in bezug auf die Kontroverse Mitscherlich/Boss an uns stellt, sind nicht ohne Weiteres mit ja oder nein zu beantworten, — (ganz abgesehen davon, daß das Procedere einer solchen Enquěte gewissen Bedenken begegnet).
Wenn das Vorgehen in dem Spezialfall als allgemein richtunggebend dargestellt und aufgefaßt wurde, so scheint mir der „allgemeine Widerstand“ verständlich und berechtigt. Vom ärztlichen Standpunkt aus wäre es aber nur nach genauerer Kenntnis aller Einzelheiten möglich, zu beurteilein, ob in diesem Spezialfall der fragliche Eingriff zulässig erscheint oder nicht.
Es entspricht der ärztlichen Ethik, je nach dem Stand unseres derzeitigen Wissens alle therapeutischen Möglichkeiten psychischer und physischer Art zu erschöpfen, um das „Leben“ in bestmöglicher Form zu erhalten. Daß wir dabei auf Grund unserer begrenzten Einsicht gelegentlich therapeutische Eingriffe gutheißen müssen, die mit partiellen „Verstümmelungen“ einhergehen, steht damit nicht unbedingt in Widerspruch.
So schrecken wir nicht davor zurück, Gliedmaßen zu amputieren und diese Amputationen im gesunden Bereich vorzunehmen; noch viel schwerwiegender ist letzten Endes die Lobotomie; wenn auch zu hoffen steht, daß gerade dies letztere operative Vorgehen in absehbarer Zeit durch Methoden ersetzt werden wird, die der Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Zentralnervensystems in weit exakterer Art Rechnung tragen als bisher, so ist es doch unbestritten, daß bei weiser Auswahl der Fälle, — ich denke dabei besonders an jahrelang! von berufener psychotherapeutischer Seite vergeblich behandelte Zwangsneurotiker, — gelegentlich Erfolge erzielt wurden, die die Anwendung dieser Methode in bestimmten Einzelfällen vom allgemein-ärztlichen Standpunkt aus noch billigen lassen konnten.
Was nun die Frage der Kastration anlangt, so ist das Für und Wider ja schon hinreichend in der Literatur diskutiert worden. Der von Boss geschilderte Spezialfall würde aber w