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Der Wiener Nervenarzt Viktor E. Frankl hat mit seinem Buch: „Ein Psycholog erlebt das KZ“ die Erlebnisse und Erfahrungen einer vierjährigen Haft im Vernichtungslager Auschwitz und dessen Filialen veröffentlicht. Was er schlicht den Erlebnisbericht eines Durchschnittshäftlings nennt, möchte uns als das Bekenntnisbuch eines differenzierten und verantwortungsbewußten Menschen erscheinen, der trotz physischer Zartheit gesund an Leib und Seele aus dieser Notzeit hervorging. Die lebendige, bisweilen dichterisch schöne Schilderung ist vollkommen wahrhaftig und erlebt und frei von jeder tendenziösen Färbung. Er versucht, als Beitrag zu einer Psychopathologie der Haft drei wesenmäßig verschiedene Phasen herauszustellen: den Aufnahmeschock, das Lagerleben selbst und die Zeit nach der Entlassung. Besonders einprägsam sind die zahlreichen treffenden Ausdrücke und Symbole aus dem Lagerjargon. Um nur ein Beispiel zu bringen: die Eßphantasien der Hungernden werden von den Häftlingen „Magenonanie“ genannt. Der Verfasser bekennt, daß ihm die Durchhaltekraft aus Glaube, Liebe und Hoffnung zugeflossen ist. Es ist seine Überzeugung, daß dem Menschen auch in der tiefsten moralischen und physischen Erniedrigung noch die Freiheit der Entscheidung möglich ist, ob er Mensch bleiben oder KZler werden will. Und