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Vetter beabsichtigt nicht, eine Monographie der Phantasie zu bieten, sondern versucht die Stellung der Phantasie im Aufbau der Persönlichkeit und ihren Lebenssinn zu klären. Als Material dienen ihm Selbstaussagen Jugendlicher über ihr Phantasieleben. Die Auswertungsmethode ist eine ausdruckskundlich-vergleichende, die von einem anthropologischen Standort aus, das heißt unter ständiger bewußter Sprengung einer ausschließlich psychologischen Interpretation umsichtig und behutsam, andererseits mit der Bereitschaft zu großen Aspekten angewendet wird. Dabei sind tiefenpsychologische Einsichten klug miteingebaut, insbesondere in dem Anhang über Phantasie und Traum.
Die gedankenreiche Arbeit Vetters kurz zu referieren geht nicht an, weil sie selbst bereits ein Konzentrat ist. Es sci aber wenigstens versucht, den Ansatz und seine Fruchtbarkeit deutlich zu machen.
Der eminente Vorzug des Vetterschen Ansatzes liegt in der Vorstellung, daß die Phantasie einen „mittleren“ Funktionsbereich bildet, der nach allen Richtungen ausstrahlt. Liegt doch die Phantasie oder — wie Vetter sinnvoller sagt — die „Einbildungskraft“ „mitten“ zwischen der Wahrnehmung, die in ihr eingeschmolzen und zu „eindrucksvoll bannenden Bildern“ verdichtet wird und der Gestaltung, die dieses Bild wieder nach außen wirft; sie liegt aber auch „mitten“ zwischen der bewußten und unbewußten Sphäre, das heißt sie wurzelt im Gefühl. Faßt man dieses als „eigentliche Innerlichkeit des Erlebens“, so bildet die Phantasie dessen „vergegenständlichenden Horizont“. Als „Kern“ des Gefühls gegenüber seinen momentanen Zuständlichkeiten in den Erregungen gilt Vetter das Gemüt, das zusammen mit dem „Gewissen“ die „seelische Mitte“ bildet. Das Gewissen steht „nicht nur zur Phantasie, sondern auch zum Gemüt in eigentümlicher Spannung“. „Während nämlich die Einbildungskraft … in Bildern lebt, gibt sich das Gewissen in einer ‚Stimme‘ kund. Im Schaucharakter der Phantasie und im Rufcharakter gewinnen … die beiden ‚oberen‘ Sinnesf