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In dem Kranz der zumeist theologischen und philosophischen, neuerdings auch psychologischen Kierkegaardliteratur fehlte die Untersuchung eines Literarhistorikers. Rehm, der sich bereits ausgezeichnet als Deuter des 19. Jahrhunderts ausgewiesen hat, füllt diese Lücke.
„Kierkegaard und die Romantik“ — das ist das Thema dieses Buches. (Es hätte auch besser so geheißen. Denn der von Rehm gewählte Titel ist nicht nur unglücklich in der Formulierung; er entspricht auch dem viel umfassenderen, reichen Inhalt des Buches nicht.) — Die Untersuchung malt auf dem Untergrund der Romantik das Bild Kierkegaards, stellt ihn neben die Figuren der Romantik und hebt ihn und sein Werk von ihnen ab. Es wird gefragt: Wie weit ist Kierkegaard selbst ein Romantiker? Wird auch Kierkegaards „Tagebuch des Verführers“ in ausführlicher Interpretation behandelt, so ist das Buch doch eine Darstellung einer Gesamtkonzeption des großen Dänen, wobei natürlich die theologische und philosophische Seite nur in verkürzten, aber scharfen Konturen gezeichnet wird. — Kierkegaard, der Romantiker, will kein Romantiker sein. Er bekämpft die romantische Haltung in seinen Schriften. Sein Werk lebt vom Kampf gegen die Romantik, die er gehaßt hat. Der historisch als möglich begriffene literarisch-ästhetische Mensch wird in seiner Schwermut und Verzweiflung vor Gott gestellt. Vor Gott soll er sich verantworten. K. empfand die Romantik als Widerstreit gegen seine christliche Erziehung, während ihm doch die ästhetische Einstellung Auszeugung seines Wesens und Bereicherung seines Menschen bedeutet hätte. Aber Kierkegaard verwechselt Dichtung und Romantik, Dichter und Ästhet. — Der Dichter deutet aus der Kategorie der Möglichkeit. Kierkegaard nun umspielt diese Kategorie, auch in Gestalt seiner Pseudonyme. Auchder „Verführer“ isteinesolche Möglichkeit. Aber Kierkegaard lebt diese Möglichkeit nur als literarische. So ist das „Tagebuch“ Ausdruck seiner Not, mit der unglücklichen, gelösten Verlobung mit Regine Ohlsen fert