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In dieser Übersichtsarbeit wird einleitend kurz auf den Begriff der „Neuralpathologie“ eingegangen. Es wird darunter der Sammelbegriff neuer Theorien in der Krankheitslehre verstanden, denen als Hauptmerkmal im Gegensatz zum gewohnten statischen kausalgesetzlichen System die dynamische Betrachtungsweise zugrunde liegt.
Es wird dann in skizzierter Form die Entwicklungslinie von Virchows Zellularpathologie über Rickers Relationstheorie zu Speranskys Lehre von der Neurodystrophie aufgezeigt und jeweils an einzelnen Beispielen kurz erläutert.
Über Speranskys Krankheitslehre, die nach Nonnenbruch gewissermaßen den „Einbruch der Neurologie in die Pathologie“ darstellt, wurden von den verschiedenen Forschern die neuropathologischen Gedankengänge aufgenommen und Siegmund schlägt für diese sich anbahnende Richtung neuer Arbeitsmethoden die Bezeichnung „dynamische Korrelationspathologie“ vor.
Im Gegensatz zu diesen Bestrebungen, die vom Somatischen her den Weg zu einer ganzheitlich ausgerichteten Medizin suchen, wird von anderer Seite (von Weizsäcker, Mitscherlich, Siebeck und andere) der psychische Faktor als Mittelpunkt in der Pathogenese angesehen und über die Technik der Psychoanalyse das gleiche Ziel angestrebt. Diese Lehre von der Psychosomatik geht damit nach Ansicht des Verfassers noch weit über Freud hinaus, da sie sich nicht auf die Neurosen beschränkt, sondern von der Angina bis zum Herzinfarkt praktisch jede Krankheit auf irgendwelche seelischen Wurzeln zurückzuführen sucht.
Die Gefahr, die der Verfasser in dieser Art der Krankheitsauffassung sieht, ist die Freiheit der subjektiven Interpretation und damit die offensichtliche Entfernung von der naturwissenschaftlichen Basis, die in „Neomystizismus“ und „scholastischen Wortgefechten“ ausmündet.
Während sich Ricker und Speransky bewußt auf den somatischen Anteil des Krankheitsgeschehens beschränken, versuchen die Anhänger des Leningrader Physiologen Bükow über eine naturwissenschaftliche exakte Methode vom Somatischen in