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Hier ist nicht die Rede von einem Hungerexperiment, von dem Hunger den man hat, sondern von dem unausweichlichen Hunger, „der einen hat, der von keiner Sättigung mehr weiß“. Die Darstellung
Schillings schöpft ihre Erfahrungen aus mehrjähriger Kriegsgefangenschaft in Rußland. Seine Beobachtungen umspannen physiologische, psychologische und geistige Aspekte dieses dämonischen Hungerzustandes.
Wir wollen uns hier im wesentlichen auf seine aufschlußreichen psychologischen Hinweise beschränken. Zunächst einmal wird auch aus Schillings Darstellung deutlich, daß diese extreme chronische Form des Hungers den ganzen Menschen ergreift, zu einem psychosomatischen Wandel der Persönlichkeit führend. Über Zwischenstadien, in denen sich mehr und mehr die Hinfälligkeit der anerzogenen gesellschaftlichen Konventionen offenbart, führt der Weg zu dem „existentiellen Hungerzustand“, der die Triebseite des Menschen in Reinkultur hervorbrechen läßt. Die Schilderungen der Essenserwartung und Essensverteilung erinnern an Fütterungsszenen von Raubtieren im Zoo. Eine ständig latente Panikstimmung erreicht ihre Höhepunkte. Ein Zwischenstadium ist die „pathologische Freßgier“, in der Geiz und Besitzgier als Ausdruck des Sicherungsbedürfnisses gegen die existentielle Angst gleichzeitig auftreten, aber mit einer Instinktlosigkeit gegenüber dem lebensnotwendigen Maßhalten von kaum vorstellbarem Ausmaße verbunden. Ein anderes Zwischenstadium ist die „Askese“. Die Askese zwar nicht in der Form der von vornherein ausschließlich selbstgewählten Entsagung, aber doch in der der Bejahung des Schicksals. Indem das Schicksal nicht mehr als feindliche Objektwelt, sondern als dem Subjekt zugehörig, als „Dimension seines Selbst“ anerkannt und eigens gewollt wird, verwandelt sich der Zwang in Freiheit. Um dieser Freiheit willen wird ein übriges an Entbehrung auf sich genommen. Schilling weiß aber um die verborgene Vielschichtigkeit allen Handelns, indem er neben dieser idealistischen Seite der Askeseerschein