You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es kommt nicht auf die Beseitigung von Mißständen an. Dies ist eine negative, keine produktive Leistung. Eine Reform des Studiums hat nur Sinn, wenn sie aus einer Reform der Lehre resultiert, welche in einer anthropologischen Medizin zu suchen ist. Praktisch gehört zu einer solchen Reform, daß der Student neben dem naturwissenschaftlichen Geiste den der Psychotherapie kennenlernt. Hierzu ist eine viel stärkere Zentralstellung der inneren Medizin einerseits und die Einführung wissenschaftlicher Tiefenpsychologie erforderlich. Wissenschaft hat zwei Funktionen: einmal Bildung des Menschen, dann Herrschaft über Natur und Situationen. Das Universitätsstudium soll der ersteren dienen. Dem Studenten soll zur Pflicht gemacht werden, daß er eine Anzahl allgemein fördernder Vorlesungen nach seiner Wahl besuche, wobei es nicht nur auf den anderen Stoff, sondern auch auf die anderen Methoden ankommt. Das Staatsexamen soll vereinfacht und mindestens zwei Semester vorverlegt werden. Ein Fachexamen für jedes Fach sollte nach 2 bis 4 Jahren nach dem Staatsexamen abgehalten werden. Es soll also nicht etwa weniger, sondern anders gelernt werden. Einer solchen Reform müßte vor allem auch eine Reform des Lehrkörpers selbst, wenn nicht voran, so doch parallel gehen. Nur so ist es möglich, einer Umstimmung der Medizin den Weg zu bereiten und wieder zu einer Einheit der Lehre zu kommen.