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L. Szondi (ungarischer Arzt aus der Schule Freuds, jetzt in Zürich lebend) beobachtete, daß sich nicht nur in der Blutsverwandtschaft seiner Patienten sondern häufig auch in der Verwandtschaft des Ehepartners seelische Störungen aus demselben Formkreis zeigten, dem die Erkrankung des Patienten angehörte. Auch hinsichtlich der Freundes- und Berufswahl fand er häufig Übereinstimmungen, — und wenn Selbstmorde vorlagen auch in der Todeswahl. (Gift, Sturz in die Tiefe, Tod durch Erschießen und so weiter.) Ein besonders markanter Fall wurde zum Ausgang der erbbiologischen These Szondis: Bei der Besprechung mit einer neuen Patientin glaubte Szondi sich zu erinnern, den gleichen Fall schon einmal behandelt zu haben. Darauf sagte der (gesunde) Mann der Patientin, daß es seine Mutter war, die Szondi behandelt hatte.
Szondi stellte sich die Frage, ob auch diese Anziehung erbfremder Personen zueinander letztlich eine erbbiologische Grundlage habe.
Er stellte nun ein eigenes Trieb-System auf. Er unterscheidet 1. acht Triebfaktoren (sie werden im folgenden genauer erörtert), von denen er 2. annimmt, daß sie einen getrennten Erbgang haben, und 3. glaubt er, daß jeder dieser Trieb-Faktoren in einem gesonderten Gen gründet, das den Mendelschen Gesetzen der Rezessivität und Dominanz untersteht. Wird ein solches Gen im Zusammentreffen des väterlichen und mütterlichen Chromosombestandes überdeckt, so erscheint es nicht im Phänotyp des Kindes, ist aber in seinem Erbgut enthalten. — Während man nun bisher einem derart überdeckten Gen keine oder nur geringe Wirksamkeit zusprach, glaubt Szondi, daß diese Überdeckung eines Gens (und also eines Trieb-Faktors) gerade eine sehr starke Triebspannung erzeugt, ähnlich wie „verdrängte“ Triebstrebungen durch die Widerstandspannung erst recht dynamisch werden. Diese rezessiven Gene drängen nun danach, im weiteren Erbgang wieder dominant zu werden. Sie drängen nach Verstärkung. Diese bietet sich, wenn ein Geschlechtspartner ge