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Die Neurose ist eine Krise in der Beziehung des Menschen zur Gemeinschaft. Ein solches Versagen wird schuldhaft erlebt, und es ist die Aufgabe der Analyse, diese Schuld freizulegen und dem Kranken sichtbar zu machen. Das Problem der Schuld tritt damit in den Horizont der medizinischen Forschung. Es drängt sich hier jedoch die Frage auf: Gehört die Klärung und Bereinigung einer solchen Schuldverstrickung noch zum Aufgabengebiet der Medizin, das heißt: ist die Neurose eine echte Krankheit und die Psychotherapie eine noch im eigentlichen Sinne medizinische Aufgabe?
Jaspers sieht in der Psychotherapie den Ausdruck einer Glaubenskrise. Der Nervenarzt tut nach seiner Auffassung heute, was früher auf Glaubensgrundlage, das heißt durch den Priester, vollzogen wurde. Psychotherapie ist demnach säkularisierte Seelsorge. Nach dieser Auffassung ist die Psychotherapie kein genuin-medizinisches Phänomen, sondern eine seelsorgerische Aufgabe, die von außen her an den Arzt herangetragen wurde.
Diese Deutung wird aber der geschichtlichen Entwicklung nicht gerecht. Gewiß ist die Psychotherapie Ausdruck einer Glaubenskrise, es handelt sich dabei aber nicht so sehr und nicht primär um eine Glaubenskrise der Patienten, die den Arzt statt des Seelsorgers aufsuchen, sondern um eine Glaubenskrise der Medizin selbst. Als die Medizin sich um die Jahrhundertwende der Psychotherapie zuwandte, war der Glaube ins Wanken geraten, daß man mit den Methoden der exakten Naturwissenschaft das Krankheitsgeschehen als solches erfassen und eine wirkliche Therapie begründen könne.
Was Freud nach einer Formulierung Beringers in die Medizin hineinbrachte, ist die Lehre, daß Krankheit keine Störung am Menschen, sondern im Menschen, das heißt eine Erscheinungsform des Menschen ist Die Psychotherapie bedeutet also für die Medizin die Einführung des Subjekts, die vor allem in der Gestaltkreislehre v. Weizsäckers zu einer völlig neuen Deutung der physiologischen Vorgänge selbst geführt hat. Die Einführung des Subje