You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das graphische Schema von Paul Helwig, das in Heft 1, Jahrgang 2, gebracht wurde, und das er „Wertequadrat“ nennt, erschließt uns neben der Möglichkeit, sich rasch und sicher über die inneren Zusammenhänge von psychologischen Werten zu orientieren, den Zugang zu Überlegungen und Schlußfolgerungen, die von weitreichender Bedeutung sind.
Es sei daran erinnert, daß das Wertequadrat (das unten der Übersichtlichkeit halber noch einmal wiedergegeben ist) ein anschauliches Bild darstellt für folgenden bekannten — wenn auch sehr häufig übersehenen — Tatbestand: Damit eine Eigenschaft in positiver Ausprägung vorhanden sein und bestehen bleiben kann, bedarf sie der polaren Gegenkraft. Erst die hierdurch entstehende Spannung gewährt die Möglichkeit, der Entartung dieser betreffenden Eigenschaft zu entgehen.
Ein von. Helwig gegebenes Beispiel zeigt die Zusammengehörigkeit, die gegenseitige Abhängigkeit und Bedingtheit von vier Eigenschaften. (Dasselbe läßt sich natürlich mit unzähligen weiteren Charakterzügen durchführen.)
Oben sehen wir zwei positive Eigenschaften: Großzügigkeit und Gründlichkeit, die einander polar zugeordnet sind. Beide können entarten zu den jeweils darunterstehenden negativen Eigenschaften: Oberflächlichkeit und Kleinlichkeit. Und zwar geschieht dies immer dann, wenn die polare Gegenkraft so weit schwindet, daß sie das Gleichgewicht zwischen dem betreffenden Eigenschaftspaar nicht mehr zu gewährleisten vermag. Also: bei hochgradigem Mangel an Großzügigkeit kann aus Gründlichkeit Kleinlichkeit werden, bei fehlender Gründlichkeit kann sich aus Großzügigkeit Oberflächlichkeit entwickeln.
Man hat in diesem Schema eine gute Methode zur Kontrolle, ob man bei Überlegungen, die auf dem Polaritätsgesetz aufbauen, tatsächlich zwei polare Kräfte gewählt hat (man kann sich da sehr leicht vergreifen). Aus dem Schema ergibt sich die Regel: bei Gegensätzen zwischen etwas Positivem und etwas Negativem (in der Diagonale angebracht) können wir nicht von Polen sprechen, weil sie