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In den folgenden Blättern wird mein durch viele Jahre unternommener Versuch beschrieben, die kindergärtnerische Arbeit auf Grund der Tiefenpsychologie Freuds1) umzugestalten. Es wird daraus hervorgehen, daß wir den Kindergarten nicht nur im Sinne der psychoanalytischen Erkenntnisse führen sollten, sondern auch, daß der Kindergarten für die Psychoanalyse sehr wichtiges Material liefern kann. Ich glaube annehmen zu können, daß der Kindergarten für die Entwicklung der psychoanalytischen Wissenschaft Aufgaben zu erfüllen hat, die von Bedeutung sind. Die psychoanalytisch ausgebildete Kindergärtnerin wird nicht nur dank ihrer vertiefteren Beobachtungsfähigkeit psychologisch wichtiges Material zur Verfügung stellen, sie wird auch aus ihrer praktischen Arbeit heraus für manches Bestätigung geben, was in Analysen — zum Teil rückschließend und folgernd — aufgedeckt wurde. Die Arbeit am Kinde aber wird desto erfolgreicher sein, je mehr die Erzieher aus der psychoanalytischen Kinderpsychologie zu lernen wissen.
Im Kindergarten haben wir es oft mit Kindern zu tun, die auf der Höhe des Ödipuskomplexes stehen, doch können wir auch mit dem Untergang des Ödipuskomplexes im Verlauf der Kindergartenzeit rechnen. Wir müssen den Kindern in den damit zusammenhängenden Schwierigkeiten Hilfe bieten, indem wir ihnen Sublimierungsmöglichkeiten und Ersatzbefriedigungen für aufgegebene Wünsche anbahnen.
Wir haben uns zuerst zwei Fragen vorzulegen: Wie werden die aus dem Ödipuskomplex resultierenden Erscheinungen im Kindergarten bemerkbar, und worauf stützen wir die Annahme, daß der Kindergarten dem Kind in dieser Konfliktsituation Hilfe zu bieten vermag?