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Die Berichterstattung unseres Referenten über den 3. Kurs für Psychotherapie an der Universitäts-Nervenklinik Tübingen vom 25. September bis 7. Oktober 1950 empfand die Tübinger Universitäts-Nervenklinik als einseitig. Zur besseren Orientierung der Leser über gegensätzliche wissenschaftliche Auffassungen sind wir gern bereit, Herrn Professor Kretschmer in einem uns liebenswürdigerweise von ihm zur Verfügung gestellten Autoreferat nochmals zu dieser Tagung zu Wort kommen zu lassen.
Die Meinung der Redaktion und der Herausgeber hinsichtlich der Lehranalyse ist in der redaktionellen Anmerkung zum genannten Referat PSYCHE IV/8, Seite 480, und in dem Aufsatz eines der Herausgeber PSYCHE IV/12, Seite 241, „Kritik oder Politik“ zum Ausdruck gebracht und begründet. Außerdem sei auf die frühere Arbeit von F. Boehm: Die notwendige Lehranalyse, PSYCHE, I. Jahrgang, Heft 3, Seite 463ff., hingewiesen.
Kretschmer, Ernst: Zur Frage der Lehranalyse und der Analyse Gesunder. 3. Kurs für Psychotherapie an der Universitäts-Nervenklinik Tübingen vom 25. September bis 6. Oktober 1950.
Kretschmer steht auf dem ursprünglichen Freudschen Standpunkt, daß die intensive Beschäftigung mit den eigenen Träumen in ständigem Vergleich mit dem unter kundiger Anleitung bearbeiteten Traummaterial der in Behandlung stehenden Patienten für den Lernenden grundlegend wichtig ist. Eine Lehranalyse aber, die über die Erlernung des Methodischen und der Gesetzmäßigkeiten der Traumsprache und überhaupt der hyponoischen Schichten hinausgeht und eine fundamentale Charakteranalyse des künftigen Psychotherapeuten selbst anstrebt, lehnt Kretschmer klar und entschieden ab. Er erkennt zwar das in dieser Forderung steckende ernste Streben an. Er stellt aber nicht nur die Frage, ob diese Form der Lehranalyse vielleicht entbehrlich, sondern in viel tieferem Sinn, ob sie überhaupt erlaubt und wiefern sie schädlich ist.
Hier handelt es sich einmal um das Problem der