You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Unter den verschiedenen Yoga-Praktiken (tibetisch: Rnal-'byor = Meditation), die uns aus dem Hinduismus und dem Buddhismus bekannt sind, spielt Kundalinǐ-Yoga eine besondere und gewichtige Rolle. Was Yoga eigentlich bedeutet, und die Reichweite dieser Bedeutung, das worauf sich Yoga erstreckt, wird wohl nirgends so durchsichtig wie gerade bei einer Darstellung des Wesentlichen an Kundalinǐ-Yoga. Der Mahǎyǎna-Buddhismus hat die Notwendigkeit der Yoga-Praktiken erkannt und diese besonders in seinen tantrischen Schulen gepflegt; Kundalinǐ-Yoga steht dabei wiederum obenan. Über Wesen und Sinngehalt des Tantrismus habe ich in meiner Arbeit „Lamaistische Mystik“ (in „Lamaistische Studien“, Leipzig, 1950) verschiedenes mitgeteilt; hier sei nur an die kosmisch-magische Ausrichtung als Grundzug dieser mystischen mahǎyǎna-buddhistischen Schule hingewiesen. Evans-Wentz hat in seinem „Tibetan Yoga and secret doctrins“ (deutsch: „Yoga und Geheimlehren Tibets“, München-Planegg 1937) sehr richtig betont, daß Kundalinǐ-Yoga eben für den kosmisch-magischen Tantrismus bei gewissen Praktiken des tibetischen Lamaismus ausschlaggebend sei. Leider finden wir das, was eigentlich Kundalinǐ-Yoga ist, in der allgemein zugänglichen Literatur unzulänglich dargestellt; auch die Bemerkungen von Evans-Wentz in dem gemannten Werke genügen nicht Die Folge ist eine allgemein sehr ungenaue Vorstellung von diesem schwierigen Kapitel indischer und tibetischer Mystik. Die beste Darstellung enthält wohl das prachtvolle Werk von A. Avalon „The Serpent Power“ (London, 1919). Es ist aber nötig, daß die dort dem Indologen unter Gebrauch der Sanskrit-Termini fachwissenschaftlich vorgelegten wertvollen Forschungsergebnisse einmal ohne allzugroße Belastung mit diesen für viele fremden Spezialausdrücken der hinduistischen Psychologie im Mittel unseres philosophisch-psychologischen Denkens wenigstens auszugsweise zugänglich gemacht werden. Im folgenden will ich die Ergebnisse Avalons von denen meiner Untersuchung