You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Patientin M. S. kam 1948, 39jährig, erstmalig zu uns in klinische Behandlung. In den ersten drei Tagen wurde ein Blutdruck von 220/150, 255/170 und 245/190 mm/Hg gemessen. Der systolische Wert stellte sich nach einigen Wochen auf eine Durchschnittshöhe um 200 ein und fiel zeitweise bis 170. Diastolisch schwankte er um 140. Bei einer Kontrolle, die nach einem Jahr stattfand, hatte sich das Niveau nicht verändert. 1948 bestand keine Herzinsuffizienz, keine Nierenzeichen, aber eine spastische Lähmung links nach Hemiplegie. Diese war im September 1946, als sich die Patientin vom Krankenhaus in R., wo sie wegen ihres Blutdruckleidens lag, nach K. überführen ließ, gleich im Anschluß an den Transport aufgetreten. Seitdem kann M. S. nur mühsam am Stock gehen.
Die Hypertonie war 1938 zufällig bei einer Untersuchung entdeckt worden, als der Arzt einen Blutdruck von schon 190 mm/Hg feststellte. Sie war damals mit ihrer Mutter in einem Badeort, wo diese eine Kur durchführte, da sie selbst an hohem Blutdruck litt. 1940 suchte die Patientin wieder einen Arzt auf, zu dem sie jedoch kein Vertrauen faßte, weshalb sie sich wieder zurückzog. Während des Krieges bei zahlreichen schweren Luftangriffen auf K. ging es ihr recht gut. Erst allmählich traten Herzbeschwerden mit Kollapszuständen, die im Vordergrunde stehen, Müdigkeit und Schwäche auf. 1945 starb die Mutter an Hirnschlag, und von da an ging es rapide bergab. 1946 kam der eigene Schlaganfall, und dann folgten lange, wechselnde Krankenhausaufenthalte. Außer an Kopfschmerzen leidet die Kranke sehr an Unterleibsbeschwerden.
In der Anamnese wurden Diphtherie und Angina mit 20 Jahren, außerdem Mittelohrentzündung angegeben. Der Vater, mit dem sie allein zusammen lebte, erst in K., nach der Ausbombung in einer kleinen Wohnung auf dem Dorf, stand im Alter von 70 Jahren, sah um 20 Jahre jünger und sehr flott aus, wirkte wie der Bonvivant einer mittleren Bühne und wurde im allgemeinen nicht für ihren Vater, sondern fü