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Für die theoretische und praktische Entwicklung der Psychoanalyse hat die Emigration des größten Teils der Schüler Freuds in die Vereinigten Staaten wichtige Folgen gehabt, wie es immer der Fall sein wird, wenn eine lebendige geistige Bewegung das Schicksal erlebt, in veränderter Umwelt weiterblühen zu müssen. Die stärkeren Individualitäten unter Freuds Schülern drüben haben je in sehr verschiedener Weise auf das neue Milieu reagiert. Kenner glauben daher, heute etwa sieben einigermaßen selbständige „Richtungen“ der Analyse in den Staaten unterscheiden zu können. Das vorliegende Buch der früher in Heidelberg tätig gewesenen hervorragenden Analytikerin vertritt eine dieser Richtungen, die man die Sullivan-schö Richtung nennen könnte, wird doch der verstorbene Washingtoner Analytiker von der Verfasserin ausdrücklich als ihr Lehrer neben Freud genannt und hervorgehoben.
Der entscheidende neue Gesichtspunkt, zu dem dieses ausgezeichnete Buch sich bekennt, ist der soziologische Aspekt der Neurose —und der Psychose. Man könnte, ausgehend von Freuds Krankengeschichten (Gesammelte Werke Bd. VIII), die klassische, vom Meister selbst entwickelte analytische Theorie als „monologische Psychoanalyse“ bezeichnen. Freud hat die Einflüsse der Umweltpersonen für die Entwicklung der Neurose natürlich nicht übersehen und noch weniger unterschätzt, aber seine Krankengeschichten kümmern sich wenig um Qualität und Einfluß der Umweltfiguren des Patienten. So erfahren wir etwa nicht einmal, welchen Wesens die Eltern des „Kleinen Hans“ gewesen sind, und wie die Neurose des Knaben aus den spezifischen Beziehungen des Kindes zu diesen seinen Eltern zu erklären war. Der Komplex, speziell der Ödipuskomplex, ist hei Freud autonom. Es braucht nicht zu verwundern, daß in einem Land wie den Vereinigten Staaten, das so erfüllt ist vom Bedürfnis nach Kontakt und Zusammenarbeit, das die Heimat des Behaviorismus gewesen ist, die Analyse aus ihrer monologischen Auffassung herauswachsen und einen viel stä