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Das „Praktikum“ ist jedem Schulpsychologen bekannt. Es beschreibt die „Apparatur“ der experimentellen Psychologie und ist damit für diese Art Psychologie als Nachschlagewerk der Technik zweifellos von großem Nutzen. In der 5. Auflage ist nun „dem Stande der Forschung entsprechend“ „das Schwergewicht auf die Persönlichkeitspsychologie gelegt“. Zu diesem Zweck sind zwei Abschnitte von zusammen 40 Seiten neu hinzugefügt: „Typologie“ und „Charakterologie“. Der Absatz „Charakterologie“ und der anschließende („Lebenslaufanalyse“) ist von Privat-Doz. W. Arnold verfaßt. Leider hat die Sparsamkeitsrücksicht manches wegfallen lassen, was erwünscht wäre, es fehlt vor allem jeder Quellennachweis, nicht einmal die wichtigste Literatur ist angegeben.
Diester Versuch nun, das „Gestrige“ der experimentellen Psychologie dadurch auf den Stand der heutigen Psychologie bringen zu wollen, daß ein Abschnitt „Typologie“ und einer „Charakterologie“ hinzugefügt werden, muß scheitern. Denn aus einem Laboratoriumspraktikum kann man kein Kompendium der heutigen „Persönlichkeits-Psychologie“ machen. Die Person erschließt sich nicht dem Experiment, und Persönlichkeits-Teste lassen sich nicht wie sinnesphysiologißche Experimente in wenigen Zeilen beschreiben. Die Erhellung der Persönlichkeit ist mit keiner Apparatur (auch nicht mit Fragebogen) zu bewerkstelligen. Paulis Praktikum kann als Praktikum nicht auf den Stand der modernen Forschung gebracht werden, weil die moderne Psychologie nicht mehr Experimentalpsychologie ist.
Der Abschnitt „Graphologie“ ist völlig ungenügend. Selbstverständlich kann in einem knappen Kompendium keine „Darstellung“ der Graphologie gegeben werden. Man erwartet eine kurze historische Übersicht, Benennung und Charakteristik der verschiedenen Richtungen und vielleicht einige extraktive Grundregeln, wie sich der Anfänger am besten einarbeitet. (Dazu dann Literatur, die, wie gesagt, leider völlig fehlt.) Statt dessen wird aber der Raum mit Sätzen wie dem folgenden gefüllt: